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Werner Katzengruber

„Viele Menschen haben Angst vor Veränderungen“ – Interview mit Werner Katzengruber

Werner Katzengruber ist erfolgreicher Berater für Change- und Transformations Prozesse. Im Interview mit Athenas spricht er über die Herausforderungen des Wandels und seine interessanten Vorträge.

Werner Katzengruber ist Experte für Transformations-Management. Im exklusiven Interview mit Athenas verrät er, worauf es bei Change Management ankommt, welche Herausforderungen die Zukunft bringt und wie sich Unternehmen neu erfinden können!

 

Herr Katzengruber, Sie sind Experte für Change Management. Worauf kommt es bei gelungenem Change Management an?

In erster Linie geht es darum, die Mitarbeiter über die Ziele, Inhalte und den Weg des Prozesses zu informieren und sie am Prozess zu beteiligen. Das klingt zwar im ersten Moment logisch und einfach, ist aber die schwierigste Herausforderung im Veränderungsprozess. Der Transformationsprozess muss zuerst in den Köpfen der Mitarbeiter stattgefunden haben, bevor er durch das Management in Gang gesetzt wird. Viele Menschen haben Angst vor Veränderung und reagieren mit Widerstand oder Resignation. Diese Ängste einfach zu ignorieren, ist wie aus dem Flieger zu springen und während des Fluges den Fallschirm zu suchen. Leider ist dieser Umstand in den meisten Change-Projekten der Standard. „Friss oder stirb“ ist hier die Devise. Wer mit dieser Maxime einen Change-Prozess initiiert, wird mit ihm scheitern. Das beweisen unzählige Change-Projekte, die bei einem Wirkungsgrad von sechzig Prozent stillschweigend zu Grabe getragen werden.

 

Sie haben die TRANSOLUTION-Methode entwickelt. Können Sie die Methode näher beschreiben?

Die Methode stützt sich auf Erkenntnisse aus unterschiedlichen Wissenschaften, daher ist sie nicht so einfach zu erklären. Es geht im Kern darum, wie Menschen Zukunft erfinden. Schließlich ist alles, außer der unberührten Natur, vor seiner Materialisierung ein Gedanke im Kopf eines Menschen gewesen. Aber es reicht nicht aus, sich die Zukunft nur vorzustellen, es müssen mehrere Faktoren schlüssig ineinandergreifen. Daher basiert meine Methode auf zwei Realitätsebenen, die eine ist messbar, die andere fühlbar. Dazu kommen noch die Faktoren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Vergangenheit lässt uns Erfahrungsmuster bilden, die wir unbewusst wiederholen. Dies führt in der Gegenwart oft zu schwierigen Situationen, die wir mit den erlernten Strategien nicht bewältigen können. Am Ende steht die Frage im Raum, wie wir unsere eigene Vision der Zukunft gestalten und realisieren können. Um dieses komplexe Feld zu erforschen, habe ich mich unter anderem mit Mathematik, Semantik, Philosophie, Psychologie, Neurobiologe und Hirnforschung intensiv auseinandersetzen müssen. Das Ergebnis ist eine Methode, wir bezeichnen es auch als Denkmodell, welches auf Basis des Zusammenspiels von messbaren Fakten und Gedanken, die Entwicklung von Zukunft ermöglicht. Dabei geht es nicht nur um die Zukunft jedes Einzelnen, sondern auch um die Zukunft von Organisationen, Familien oder Unternehmen. Zukunft zu erfinden kann sowohl ein individueller als auch ein kollektiver Prozess sein.

 

Können Sie erklären wie sich Wandel auf die Arbeitswelt von morgen auswirkt?

Es gibt verschiedene Szenarien, welche Einflüsse in den nächsten Jahren auf uns Einwirken werden. Wir unterliegen ja einem Paradoxon, denn den Wohlstand in hochentwickelten Industrienationen verdanken wir der Wissenschaft und Technik. Gleichzeitig haben uns Wissenschaft und Technik in das Dilemma geführt, das wir heute vorfinden. Wir tun nun, was wir immer tun und versuchen mit Wissenschaft und Technik unsere Probleme zu lösen. Trotzdem hungert immer noch jeder neunte Mensch auf diesem Planeten, noch immer verhungert jede Minute ein Kind. Wir sind also eine Wissensgesellschaft, deren Wissen offensichtlich nicht ausreicht, um die globalen Probleme lösen zu können. An unseren Universitäten wird immer mehr Wissen vermittelt, aber keine Weisheit und Wissen kann Weisheit nicht ersetzen. Die florierende Wegwerfgesellschaft erzeugt einen Überfluss an allem, nur nicht an Gerechtigkeit. Während unsere Müllberge immer höher werden, müssen drei Milliarden Menschen mit weniger als zwei Dollar am Tag überleben. Armut ist eine der größten Gefahren für Frieden, denn sie bietet den Fundamentalisten, ob religiös oder politisch motiviert, die optimale Grundlage, um ihre Macht auszudehnen. Das sind die wahren Herausforderungen und diese werden sich weit mehr auf die Arbeitswelt auswirken, als Digitalisierung, demographische Entwicklungen oder Generationensprünge. Es stimmt, dass die Digitalisierung weltweit geschätzte 150 Millionen Arbeitsplätze von Wissensarbeitern wie Ärzten, Lehrern, Journalisten, etc. vernichten wird. Deutschland ist nach Japan das älteste Land der Erde und auch unsere Sozialsysteme werden zusammenbrechen, wenn wir nicht radikal umdenken. Selbstverständlich treibt Social Collaboration den Wandel in unserer Arbeitswelt. Aber solange Hungeraufstände und Kriege für Völkerwanderungen sorgen, sind diese faktischen Probleme noch die geringsten.

 

Sie haben schon viele Kunden beraten und unzählige Vorträge gehalten. Gibt es ein Ereignis an das Sie besonders gerne zurückdenken?

Es sind die vielen unterschiedlichen Reaktionen die während eines Vortrags entstehen, die es schwer machen ein bestimmtes Ereignis herauszufiltern. Aber bei einem Vortrag Ende 2015 ist etwas Schönes passiert. Mein Vortrag war als Abschluss einer Führungskräftetagung geplant und es war ein Samstag. Ich sollte von 10:00 Uhr bis 11:00 sprechen und blöderweise hatte ich die „Langversion“ meines Vortrages dabei. Also das richtige Thema, aber eben auf zwei Stunden ausgelegt. Da ich annahm, dass die Teilnehmer am Samstag froh sind, pünktlich nach Hause zu kommen, beendete ich meinen Vortrag mit dem Satz: „Ich könnte natürlich noch eine Stunde weiter sprechen, aber ich möchte Ihre Zeit nicht strapazieren“. Ich wartete auf Applaus oder zumindest auf eine Reaktion aus dem Publikum. Da saßen nun 150 Führungskräfte vor mir und schauten mich an. Plötzlich stand einer der Vorstände aus der ersten Reihe auf, drehte sich zu seinen Führungskräften uns sagte: „Möchte jemand nach Hause? Es ist in Ordnung, wenn Sie zu Ihren Familien wollen“. Niemand stand auf und ich sprach eine Stunde weiter. Dieser Moment der stillen Zustimmung ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

 

Wann ist ein Vortrag für Sie persönlich erfolgreich?

Wenn ich die Menschen etwas einsichtsvoller hinterlasse, als ich sie vorgefunden habe.

 

Vielen Dank für das Gespräch!