Wir stecken in fünf grossen Transformationen, welche Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in den nächsten Jahrzehnten umwälzen werden. Zusammengenommen zu einem grossen Bild skizziert der Vortrag von Georges T. Roos die Dimensionen dieses (voraussehbaren) Wandels: Die demografische Transformation: Sie wird gemeinhin unterschätzt. Während die europäische Bevölkerung altert und summa summarum bis 2050 schrumpfen wird, verdoppelt sich die Bevölkerung Afrikas. China altert und könnte dramatisch schrumpfen. Migrationsströme beschäftigen Europa, Nordamerika und (hier oft unbemerkt) den globalen Süden. Die digitale Transformation: Nirgends sonst sind die transformativen Kräfte so offensichtlich wie bei der Digitalisierung. Und so schnell: Vor 25 Jahren gab es keine Smartphones, heute sind sie überhaupt nicht mehr wegzudenken. Kommunikation, Prozesse und Geschäftsmodelle haben sich radikal gewandelt. Und nun? Künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Augmented Reality und Blockchain-Applikationen werden noch einmal vieles auf den Kopf stellen. Der erneute Einschnitt dürfte noch tiefer gehen. Die ökologische Transformation: Mobilität, Lebensräume, Konsum, gebaute Umwelt, Materialströme – nichts bleibt verschont von den Umwälzungen, die für die Erreichung der Klimaziele nötig sind. Fossile Brennstoffe werden durch erneuerbare Energien ersetzt, die Unternehmen bewegen sich hin zu einer Kreislaufwirtschaft, der Lebensstil soll nachhaltig werden. Die Herausforderung dabei: Es fehlt das positive Zukunftsbild – ein Bild, dass nahebringt, was jeder und jede dabei gewinnen kann, statt worauf er und sie verzichten müssen. Solange es nicht vorliegt, wird sich Ökologisierung an der demokratischen Ordnung reiben. Die Bio-Transformation: Was ist das nächste «Big Thing»? Was steht in der Reihe von Dampfmaschine, Elektrizität, Petrochemie und Informatik? Wir sagen: Die Bio-Transformation. Sie beschreibt den Umstand, dass wir dank Wissenschaft und Forschung heute in der Lage sind, der Biologie ein Upgrade zu geben. Synthetische Biologie, Biotechnologie, Crispr: Wir können lebensfähige Organismen herstellen, wir können Genome umschreiben, wir verstehen, Algen zu Kraftwerken zu bündeln und zu optimieren. Energie, Gesundheit, Ernährung, Landwirtschaft, Biodiversität, Computerchips – kaum ein Bereich wird von der Bio-Transformation nicht profitieren. Die geopolitische Transformation: Krieg in Europa ist möglich, der Ost-West-Konflikt nicht in der Mottenkiste der Geschichte, der pazifische Raum ist zum Hotspot geworden. Die Welt erlebt multiple Krisen, wodurch sich das globale Bild verändert. Das Embargo für russisches Öl und Gas hat Europa an den Rand einer Energiekrise gebracht. Die Lieferketten sind mittlerweile neu ausgerichtet. Was aber wenn der Konflikt mit China eskaliert? Die Abhängigkeiten sind viel gravierender – Mikrochips, Medikamente, Solarpanels, u.a.m. Was bedeutet die geopolitischen Machtverschiebungen für das schrumpfende Europa? Was für die uneinigen USA?