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Ralph Goldschmidt

„Glück heißt für mich, alles annehmen zu können, was ist.“ – Interview mit Ralph Goldschmidt

Ralph Goldschmidt ist Experte für Leistungsstärke und Lebensglück. Lesen Sie hier sein exklusives Interview mit Athenas.

Herr Goldschmidt, Sie sind Experte für Lebenskunst. Welche Rolle spielt dabei die Work-Life- Balance?

Den Begriff Work-Life- Balance finde etwas unglücklich, weil er suggeriert, da gäbe es zwei entgegengesetzte Pole – hier die Arbeit, da das Leben – die nichts miteinander zu tun haben, was ja Quatsch ist. Außerdem wird das Thema gerade in Unternehmen reduziert auf die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. „Work“ wird also oft auf die Erwerbsarbeit geschrumpft, und das „Life“ auf die Familie. Als gäbe es sonst nichts, was noch zum Leben dazugehört. Darüber hinaus haben die meisten Menschen bei dem Begriff „Work-Life- Balance“ eine Waage vor Augen, die sich im steten Gleichgewicht befindet. Immer in der Waagerechten. Aber mal ehrlich: Wie öde wäre ein Leben, das ständig im Gleichgewicht ist. Und wie lebensfern ist das. Lebenskunst hat schon auch mit Balance zu tun, aber es geht um eine dynamische Balance. Das Bild dazu ist eher ein Jongleur, der versucht, ziemlich viele Bälle in der Luft zu halten – nicht nur „“Erwerbsarbeit“ und „Familie“, sondern deutlich mehr, z.B. auch Freunde, Hobbies, Gesundheit, Umwelt und nicht zuletzt: ich selbst. Es geht darum, dass bei diesem teils schwierigen Jonglieren keiner dieser Bälle so auf den Boden fällt, dass er explodiert und das ganze Leben zum Einsturz bringt.

 

Viele Top-Manager meinen, dass die automatisch glücklicher werden, wenn sie viel arbeiten. Wie leisten Sie da Überzeugungsarbeit?

Mein Credo lautet: „Nur wenn es dir gut geht, kannst du der Welt dein Bestes geben!“ Viel arbeiten ist nicht das Problem, sondern das zu-viel. Wenn das dazu führt, dass andere Dinge, die den Menschen – auch Top-Managern – wichtig sind, auf Dauer zu kurz kommen und es ihnen nicht mehr gut geht, hat kein Mensch was davon. Er selbst nicht, seine Familie nicht, seine Mitarbeiter, Kollegen und Kunden nicht. Und sein Unternehmen auch nicht. Im Gegenteil. Wenn es dazu führt, dass gerade Top-Leute gar wochen- oder monatelang in einer Burnout-Klinik oder Reha-Einrichtung verbringen muss und deshalb deren Aufgaben und Projekte liegen bleiben oder nur vertretungsweise von KollegInnen so nebenbei mitbetreut werden – die stehn ja schließlich auch fast alle unter Strom – entsteht dem Unternehmen i.d.R. ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden. Das können die meisten nachvollziehen. Ich sage auch nicht: „Arbeite nur noch halb soviel!“, sondern meine Botschaft ist: „Achte darauf, dass es dir (zumindest einigermaßen) gut geht, sonst schadest du allen. Auch dem Unternehmen!“

 

Einer Ihrer Vorträge trägt den Titel „Shake your Life!“. Worum geht es darin?

Im Grunde genommen um das, was ich in der Antwort auf die letzte Frage gesagt habe. Es geht um die Frage, wie es gelingen kann, den vielen, meist steigenden Anforderungen im Job gerecht zu werden und sich dabei die Freude, die Lust und die Leichtigkeit am Leben zu bewahren … oder sie wieder zurückzugewinnen, wenn es mal einen „Schlag vor den Koffer“ gegeben hat. Es ist ein Vortrag, der aufrüttelt, eine emotionale Achterbahnfahrt. Ich halte den Spiegel vor, ganz ohne erhobenen Zeigefinger … und mit sehr viel Humor. Das zieht sich durch alle meine Vorträge: Bei aller Ernsthaftigkeit der Themen wird viel gelacht. Und manchmal bleibt das Lachen eben auch im Halse stecken.

 

Sie sprechen auch darüber, wie man den inneren Schweinehund bekämpfen kann. Können Sie da einen Tipp geben?

Beim „Kampf gegen den inneren Schweinehund“ geht´s ja darum, wie man es schafft, die Dinge, die man sich vorgenommen, auch umzusetzen, obwohl ER uns einen Strich durch die Rechnung macht. Meistens sind das sehr vernünftige Dinge, die wir uns vornehmen: Weniger Stress, mehr Zeit für Familie und Freunde, mehr Sport, gesünder ernähren etc. Harald Welzer sagte mal: „Es ist in der Regel erfolglos, an Einsicht und Vernunft zu appellieren. Einsicht dringt meist nicht bis zum Verhalten vor, weil das Verhalten nicht auf Einsicht beruht. So einfach ist das.“ Wir werden maßgeblich von unbewussten Entscheidungen gesteuert. Eiserne Disziplin und Selbstkontrolle helfen gerade bei dauerhaften Verhaltensänderungen nur sehr begrenzt weiter. Es geht darum, das Unbewusste – und damit den Inneren Schweinehund – mit ins Boot zu kriegen, statt ihn zu bekämpfen. Nach 20 Jahren Beschäftigung mit den Themen Selbstmotivation und Selbstmanagement kann ich nur sagen: Das ist die Kunst: Viel stärkerer Fokus auf das Unbewusste. Und ja, das geht!

 

Was bedeutet Glück für Sie?

Ziemlich überstrapazierter Begriff. Für mich: Glück ist, wenn ich mich „verbunden“ fühle. Mit mir selbst, mit dem, was ich tue, mit den Menschen um mich herum, mit dem, was gerade JETZT ist. Das ist für mich übrigens ein ziemlich wichtiger Punkt. Glück hat auch damit zu tun, dass es mir gelingt, all das willkommen zu heißen, was JETZT gerade ist. Gerade die schwierigen Dinge. Also JA zu sagen, zu dem, was ist. Das heißt nicht, dass ich alles toll finden muss. Aber das, was ist, ist nun mal so, wie es ist, wie es ist, auch ohne meine Zustimmung. Wir kämpfen so oft gegen die Realität, aber den Kampf gegen die Realität kann man nicht gewinnen. Seien es bestimmte Situationen, z.B. eine schlimme Krankheit, Kündigung im Job etc. oder auch Gefühle wie Ohnmacht, Trauer oder Wut: Das ist jetzt so, die Gefühle sind jetzt so. Die suche ich mir ja nicht aus. Wenn ich sie mir aussuchen könnte, würde ich andere nehmen. Also: Raus aus dem Widerstand, das ist der erste Schritt ins Glück. Leiden tun wir nur, wenn wir im Widerstand zu dem sind, was ist. Wenn wir es gerne anders hätten, als es ist. Und das nicht akzeptieren können. Also: Glück heißt für mich, alles annehmen zu können, was ist.

 

Wann ist ein Vortrag für Sie persönlich erfolgreich?

Hm, natürlich freue ich mich über standing ovations, wenn ich die Menschen berührt, bewegt, gut unterhalten und vielleicht sogar begeistert habe. Das ist schön fürs Ego. Aber ich will mit meinen Vorträgen ja tatsächlich etwas bewirken. Wirklich erfolgreich war ein Vortrag für mich also, wenn ich damit bei möglichst vielen Zuhörern etwas bewirkt habe, und zwar idealerweise so, dass das auch noch genau zum Anliegen des Auftraggebers passt, der mich genau dafür engagiert hat. Das gelingt mir glücklicherweise ziemlich oft, vielleicht weil jeder meiner Vorträge maßgeschneidert ist. Und wenn dann noch die standing ovations dazukommen…

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Goldschmidt!

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