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Martin Wehrle

„Was wir am liebsten tun, tun wir meist am besten“ – Interview mit Martin Wehrle

Martin Wehrle weiß, worauf es bei erfolgreichen Gehaltsverhandlungen ankommt! Im Interview mit Athenas erklärt er, wie Mitarbeiter und Führungskräfte richtig verhandeln können, wie der Spaß an der Arbeit erhalten bleibt und worum es in seinem Buch „Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?!“ geht!

Herr Wehrle, Sie sind Karriere- und Gehaltscoach. Worauf kommt es bei einer erfolgreichen Gehaltsverhandlung besonders an?

Stellen Sie sich eine Waage mit zwei Schalen vor: Auf der einen Seite liegt die Leistung, auf der anderen das Gehalt. Wer mehr verdienen will, muss vorher nachweisen, dass er auf der Leistungsseite nachgelegt hat. Zum Beispiel hat er seine Qualifikation ausgebaut, zusätzliche Verantwortung übernommen, der Firma Geld gebracht oder gespart. Dann ist die Gehaltserhöhung keine Ausgabe mehr, sondern aus Sicht der Firma eine sinnvolle Investition. Eine Leistungsmappe hilft bei der Argumentation.

Und Führungskräften empfehle ich: Vergeben Sie Erhöhungen nicht nach dem Feuerwehr-Prinzip, also immer an diejenigen, die am lautesten schreien – sondern achten Sie auf die tatsächliche Leistung. Und bringen Sie Erhöhungen aus eigener Initiative auf den Weg. Das motiviert Mitarbeiter/innen deutlich mehr, als wenn sie lange darum kämpfen müssen.

 

Sie beschäftigen sich auch mit dem Thema Burnout. Die Zahl der Erkrankten ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Der Druck hat enorm zugenommen. Früher begann das Privatleben, wenn man die Firma verließ. Heute hat sich die Arbeit durch die modernen Medien wie ein Trojanisches Pferd ins Privatleben eingeschlichen. Es gibt keinen Feierabend und kein Abschalten mehr. Darum ist es für Mitarbeiter so wichtig, klare Grenzen zu setzen. Wer mehr Arbeit annimmt, als er sie bewältigen kann, tut seiner Firma keinen Gefallen. Und Führungskräfte sollten stets darauf achten, dass ihnen die Gratwanderung zwischen Herausforderung und Überforderung gelingt.

 

Und wie kann man das Arbeitspensum bewältigen und gleichzeitig den Spaß an der Arbeit beibehalten?

Die meisten Menschen lieben ihre Arbeit. Haben Sie mal überlegt, woher die häufigsten Nachnamen in Deutschland kommen, ob Müller oder Meier, Fischer oder Jäger? Alles Berufsbezeichnungen! Die Kunst guter Führung besteht darin, jeden Mitarbeiter dort einzusetzen, wo er seine Stärken am besten ausspielen und persönlich wachsen kann. Mitarbeitende können sich selbst fragen: Was macht mich lebendig bei der Arbeit, was schenkt mir Kraft? Tun Sie mehr davon! Das nützt auch der Firma, denn was wir am liebsten tun, tun wir meist am besten. Dann bringt die Arbeit wieder Erfüllung.

 

Sie haben das Buch „Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?!“ geschrieben. Worum geht es darin?

Der Manager Peter Müller, bis dahin ein Macho, wacht eines Morgens im Körper einer Frau auf. Fortan muss er sein Berufsleben als Managerin bestreiten. Was ihm dann passiert, ist aus der Wirklichkeit gegriffen: dass er mit einem kleinen Dienstwagen abgespeist wird, sich „Schätzchen“ nennen lassen muss, weniger als die männlichen Kollegen verdient, bei Meetings dauernd unterbrochen wird, als Schwangere nur noch belanglose Arbeiten auf den Tisch bekommt und außen vor ist, wenn die Männer abends an der Bar die wichtigen Pöstchen verteilen.

Das Buch soll anschaulich machen: Was wäre los im Land, wenn Männer 22 Prozent weniger als Frauen verdienten, im Top-Management kaum vorkämen und als Bewerber auf Schwangerschafts-Pläne verhört würden? Die Hölle wäre los! Aber dass Frauen so behandelt werden? Ganz normal! Mein Buch weist Wege zu wahrer Gleichstellung.

 

Wann ist ein Vortrag für Sie persönlich erfolgreich?

Wenn die Zuhörer/innen etwas lernen und zugleich gut unterhalten werden. Ein Satz, den ich häufig nach meinen Vorträgen höre: ”Die Zeit ist blitzschnell vergangen.” Ich arbeite bewusst mit einer bildhaften Sprache, mit Aktion auf der Bühne und ohne PowerPoint, um diese Kurzweiligkeit zu erreichen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!