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Keynote Speaker Anders Indset

„Was wir also benötigen, ist eine Gesellschaft des Verstandes.“ – Interview mit Anders Indset

Lesen Sie hier das exklusive Interview mit Anders Indset und erfahren Sie mehr über praktische Philosophie für die Wirtschaft die jeden inspiriert!

Herr Indset, Sie sind Wirtschaftsphilosoph. Was genau versteckt sich hinter dem Begriff?

Die essentiellen Herausforderungen und Probleme, mit denen sich Entscheider heute konfrontiert sehen, sind allesamt philosophische Fragestellungen. Wenn wir die Wirtschaft und die Philosophie stärker verbinden, wenn wir die Schätze der Vergangenheit retten und auf das 21. Jahrhundert projektieren, nur dann können wir Fortschritte erzielen. Wir brauchen eine Verknüpfung zwischen den alten Schätzen, der Philosophie von gestern, mit einem Verständnis von Wissenschaft und Technologie von morgen. Die praktische anwendbare Philosophie ist für mich ein Weg, um eine erstrebenswerte Zukunft zu kreieren.Gewissermaßen handelt es sich dabei um den gleichen Weg, der auch vor 2.500 Jahren auf den Straßen von Agora gelernt und gelebt wurde – angepasst an unsere heutigen Herausforderungen.

Praktische anwendbare Philosophie für die Wirtschaft ist im Grunde genommen gar nichts komplett Neues. Auch in der akademischen Definition von “Praktischer Philosophie” gibt es einen Teilbereich, der sich mit Aspekten des menschlichen Handelns befasst. Hier geht es um Fragen der Ethik und Moral und um die ethische Reflexion wirtschaftlichen Handelns. Außerdem finden wir auch hier wissenschaftstheoretische Untersuchungen hinsichtlich der Wirtschaftswissenschaft. Diese Themen betreffen uns heute alle und ich finde sie auch verstärkt in den Führungsetagen diverser internationaler Unternehmen. Es ist an der Zeit, dass wir das Prinzip der Ökonomie kritisch hinterfragen. Welchen Sinn, welche Funktion hat Wirtschaft für den Menschen?

Uns stehen zwei existenzielle Herausforderungen bevor, die sowohl global als auch interdependent sind: Wir müssen den ökologischen Kollaps vermeiden und einen Weg finden, mit exponentiellen Technologien umzugehen. Um im Laufe der nächsten zehn Jahre die zugehörigen Lösungen zu erarbeiten, brauchen wir ein neues Wirtschaftsmodell mit einer praktischen, anwendbaren Philosophie als Wegbegleiter und Stützpfeiler. Philosophische Kontemplation wird unabkömmlich werden – in jeder Industrie, jeder Branche und in jedem Unternehmen.

Die Wirtschaft der Zukunft basierend auf einer neoklassischen Interpretation des Kapitalismus. Das alte Modell von Adam Smith hat ausgedient. Der  Kapitalismus lebt weiter, doch es ist unsere Aufgabe, seine Form weiterzuentwickeln – denn ein besseres Modell haben wir nicht. Als Basis sehe ich dafür die höheren Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide. Nur, weil wir mit Konsumgütern überschwemmt werden, bedeutet das nicht, dass Dinge wie ein Tesla, ein Diesel SUV und ein Sportwagen jetzt zum Grundbedürfnis des Menschen gehören. Konsumismus und Materialismus neigen sich ihrem Ende entgegen. Viel entscheidender ist die Frage, was wir tun müssen, um ein organisiertes Leben auf unserem Planeten weiter verlängern zu können. Aus meiner Sicht spielen hier
die Wirtschaft und vor allem Leader und Entrepreneure eine essentielle Rolle. Als Wirtschaftsphilosoph setzte ich mich auf diese philosophische Weise mit Wirtschaft auseinander; d.h. zugleich auch, dass ich mich mit der Wirtschaft selbst und den Geschehnissen in ihr befasse, um dieser Aufgabe gerecht werden zu können.

 

Wie kann die praktische Philosophie Einblicke und Perspektiven auf neue Technologien liefern?

Wir leben heute in einer “Muss-Gesellschaft” und müssen enorm aufpassen, dass sich daraus nicht eine “Wird-Gesellschaft” entwickelt, in der bereits alles vordefiniert ist. Von einer höheren Intelligenz, mit der wir uns selbst überflüssig machen. Vom Homo Sapiens zum Homo Obsoletus.

Wir haben eine “fatale Informationsgesellschaft” kreiert, oder, etwas einfacher ausgedrückt, eine Des-Informationsgesellschaft. Wir wachen jeden Tag ein bisschen dümmer auf. Die Lücke zwischen dem, was wir wissen könnten und dem, was wir tatsächlich wissen, steigt exponentiell. Aktuelle Studien aus meiner Heimat Norwegen belegen sogar, dass unser IQ leicht nach unten geht. Warum? Weil wir uns voll auf die Technologie verlassen und glauben, dass sie unser Heilsbringer ist. Sie ist die scheinbare Antwort auf alles. Aber wie Cedric Prince es so treffend formuliert hat: Was war nochmal die Frage? Die Antwort auf was? Wir brauchen mehr Wissen, mehr validierte Daten, einen stärkeren Verlass auf Algorithmen. Wir sprechen von Fake-News und Lügen-Gesellschaft. Um dieser Abwärtsspirale entgegenzuwirken, können wir Blockchain und Allgemeine Künstliche Intelligenz (AKI) ab sofort nur willkommen heißen. Der Haken an der Sache: Damit verlagern wir alle unsere Autoritäten in Algorithmen und wechseln über in einen permanenten Reaktions-Modus. Wir sind dann bloß noch Reaktionsweisen. Die Wissensgesellschaft, so nenne ich diese Phase, sagt, dass wir uns auf alles verlassen können. Absolute Transparenz und von Maschinen generiertes Vertrauen. So werden alle Aussagen direkt von einem “perfekten” Algorithmus validiert. Das löst natürlich einige Probleme, aber schafft auch neue, denn Wissen ist kein Verstand. Wir leben dann bloß noch als dopamin-gesteuerte Junkies in einer Reaktions-Gesellschaft. Was wir heute benötigen, ist ein radikales Umdenken.

Was wir also benötigen, ist eine Gesellschaft des Verstandes. Dorthin gelangen wir, indem wir uns zurückbesinnen darauf, wie die Philosophie an den Straßen von Agora im alten Griechenland gelebt und interpretiert wurde. Entscheidend ist dabei vor allem ein tieferes Verstehen der Beziehung zwischen Mensch und Technik: Welcher Teil existiert in Abhängigkeit vom anderen? Wie sollte diese Beziehung zukünftig aussehen? Was muss dafür getan werden und auf welcher Seite liegt die Verantwortung dafür? Worin sollte sich diese Verantwortung zeigen und wie kann sichergestellt werden, dass die Verantwortung durch entsprechende Entscheidungen und Taten realisiert wird? Welche Ausmaße sollen den Verantwortungen beigemessen werden – gerade mit Blick auf die Auswirkungen von damaligen technischen Entwicklungen vs. denen, die die heutige Technologie haben könnte und die sich viel schneller zeigen werden.

Kurz gesagt, welche Zukunft ist erstrebenswert? Nur, weil uns die Technik die Möglichkeiten gibt, heißt das noch lange nicht, dass wir etwas tun müssen oder sollten. Wir sprechen in allen Belangen heute von Beziehungen und Relationen. Fortschritt können wir nur erzielen, wenn wir uns mit der Interdependenz auseinandersetzen, wenn wir interdisziplinär arbeiten und indem wir in den “Leerräumen” zwischen Quantenphysik, Psychoanalyse, Neurowissenschaften und Spiritualität nach Fortschritt suchen. Philosophische Kontemplation ist durch philosophische Methoden unser entscheidendes Werkzeug, um
neue Fragen und Probleme zu finden, Antworten zu suchen und zu Lösungen zu gelangen.

 

Sie sprechen auch darüber, dass immer weniger Menschen an traditionelle Religionen glauben. Warum braucht es gerade jetzt die Aufklärung und Philosophie?

Die klassischen Religionen haben ausgedient. Der Mensch hat den Glauben an Utopia verloren. Der Mensch braucht eine neue Leitidee, einen Kompass in seinem Leben, dem er vertrauen und glauben kann; und wir brauchen eine Vision, die unsere Gesellschaft zusammenhält. In meinem nächsten Buch wird es darum gehen, Verstand mit Emotionen und Gefühlen zu paaren, damit der Mensch zu essentiellen Vernunft gelangt.

Früher konnten wir aus Krisen lernen und danach handeln, wir konnten reagieren und danach für uns rechtfertigen, warum wir auf eine bestimmte Weise gehandelt haben. Mit der heutigen Geschwindigkeit können wir uns Krisen nicht mehr erlauben. Deswegen bin ich davon überzeugt, dass uns philosophische Kontemplation die nötige Unterstützung liefert. In 10 Jahren werden wir nicht mehr nach “digitalen Wunderkindern” in der Software-Entwicklung suchen, sondern nach Philosophen, die ein tiefgreifendes Verständnis von Wirtschaft und politischen Zusammenhängen mitbringen. Diese Menschen können uns dann dabei unterstützen, alles zu hinterfragen – und auch selbst neuen Fragen aufzuwerfen. Denn uns stehen einige Herausforderungen bevor, zu denen wir heute noch nicht einmal die passenden Fragen kennen.

 

Als gefragter Redner haben Sie schon viele Publika begeistert. Was ist Ihr Geheimnis?

Die höchste Komplexität im 21. Jahrhunderts ist die Simplifizierung. Ich versuche komplexe Sachverhalt für den Median meine Zuhörer zu adaptieren. Jeder meine Gigs ist für mich eine persönliche Reise, denn ich gehe auf die Bühne und denke laut. Die Zuhörer spüren, dass ich kein auswendig gelerntes Skript runterbete, sondern sie stattdessen an meinem Denkprozess teilhaben lasse. Lehren ist Lernen. Philosophische Kontemplation und die Anwendung meiner praktischen Philosophie auf der Bühne ist für mich auch der Zugang zu den Menschen. So können sie die Philosophie im Unternehmen und in ihrem Leben
versuchen anzuwenden. Ich zeige ihnen eine Richtung, den Weg schreitet jeder für sich selbst.

Erfahrungsbasiertes Lernen ist heute eine gute Mischung aus Entertainment, Education und Empowerment. Wir können alle sicherlich viel lernen aus der “Rhetorik” – Ethos, Pathos, Logos, aber am Ende geht es nicht, oder nicht nur darum, was du sagst oder was du tust, sondern was der Mensch fühlt. Du musst etwas fühlen, wenn du etwas nachhaltig neues lernen möchtest. Du musst eingebunden werden um zu verstehen, nur dann kannst du nachhaltig was verändern. So entwickle ich mit meinem Publikum eine Symbiose zwischen Herz und Verstand.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Indset!

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