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Interview Bild Sascha Friesike

„Aber im Grunde ist die Digitalisierung nicht ein Prozess sondern ein Sammelsurium an zahllosen Prozessen.“ – Interview mit Dr. Sascha Friesike

Lesen Sie hier das exklusive Interview mit Dr. Sascha Friesike und erfahren Sie mehr darüber, was Digitalisierung wirklich bedeutet.

Herr Friesike, in Ihren Forschungen beschäftigen Sie sich mit der Frage, wie sich der digitale Fortschritt weiter auf unsere Gesellschaft auswirkt. Können Sie uns Ihre Forschung näher erläutern?

Das ist natürlich ein riesiges Thema und von keinem Forscher zu stemmen. Daher sehe ich mir nicht an, was die Digitalisierung für die Gesellschaft bedeutet, sondern gucke mir ganz kleine Ausschnitte dessen in meiner Forschung an. Meine Kollegen untersuchen dann andere Ausschnitte, auf Konferenzen und in Fachzeitschrift erfährt man darüber hinaus von weiteren Ausschnitten und so ergibt sich im Laufe der Zeit ein Bild. Das kann man sich vorstellen wie einen Flickenteppich, der nach wie vor große Löcher hat und bei dem wir immer wieder bemerken, dass neue Phänomene den Teppich noch größer und löchriger machen.

 

Welche Chancen aber auch Nachteile kann die Digitalisierung speziell am Arbeitsplatz und im Job bringen?

Die Digitalisierung ist ein vielschichtiges Thema. Darunter fallen sowohl neue Arbeitsweisen wie etwa die Gig-Economy aber auch Themen wie soziale Medien oder künstliche Intelligenz. Was diese Themen in erster Linie gemein haben ist, dass wir alle als „Digitalisierung“ bezeichnen. Aber im Grunde ist die Digitalisierung nicht ein Prozess sondern ein Sammelsurium an zahllosen Prozessen. Für die Arbeitswelt hat das drastische Auswirkungen. Alleine der Umstand, dass wir im Digitalen quasi keine Kommunikationskosten haben, wirkt sich entschieden auf die Arbeitswelt aus. Wir haben das Gefühl ständig unterbrochen zu werden und am laufenden Meter neue Nachrichten geschickt zu bekommen. Neulich kam ein Kollege bei mir ins Büro. Ich sagte ihm, ich hätte vorhin noch eine Frage gehabt und dann habe ich hinzugefügt, dass ich es einfach gegoogelt hätte. Er musste lachen und sagte, dass würde ihm oft passieren. Es sei einfacher jemanden in einem Instant Messenger aus seiner eigentlichen Tätigkeit zu reißen als die Frage in eine Suchmaschine zu werfen. Das Ergebnis ist, dass wir uns immer weniger auf unsere eigentlichen Aufgaben konzentrieren können und ständig das Gefühl haben, mit unserem Arbeitspensum hinterher zu hinken.

 

Ein Schwerpunkt in Ihren Vorträge sind künstliche Intelligenzen. Wie werden diese Einfluss, sowohl auf das Privatleben als auch auf Unternehmen haben?

Das kann niemand vorhersagen. Denn wir wissen aus der Geschichte jeder Technologie, dass das was Menschen aus einer Technologie machen nicht in der Technologie festgelegt ist. Soziologen nennen diese Idee Technikdeterminus, also die Vorstellung, vorhersagen zu können, wie wir als Gesellschaft mit einer Technologie umgehen werden. Was künstliche Intelligenz angeht, so ist die Technologie vor allem von großen Versprechen begleitet, was damit alles möglich sein wird. Erinnert ein wenig an die Quantencomputer, die uns auch seit einer gefühlten Ewigkeit versprochen werden. Was die Anwendung angeht, so ist künstliche Intelligenz sehr gut darin in einem abgegrenzten Spielfeld Muster zu erkennen. Daher werden Durchbrüche gerne in Spielen wie unlängst Go gemeldet. Es wird spannend sein, zu sehen, wie gut die KI wird in der Verknüpfung von Themen. Für Menschen ist es ganz einfach, wenn ich jemandem sage: „Ruf Manfred an, lies ihm die Preise aus der E-Mail von gestern vor und lass ihn dann entscheiden.“ Für eine künstliche Intelligenz ist das sehr schwer, da in der kleinen Anweisung mehrfach der Kontext gewechselt wurde. Ob und wann man einer Maschine dann mal so eine Aufgabe geben kann, ist nach wie vor ungewiss.

 

Welche nächste große Herausforderung steht Unternehmen bevor, in Hinsicht auf die Digitalisierung?

Die Digitalisierung als abstraktes Phänomen ist sehr gut darin, Routinetätigkeiten zu automatisieren. Bei anderen Tätigkeiten tut sie sich sehr schwer, darunter fällt das Führen von Menschen, Empathie aber auch Kreativität. Diese Fähigkeiten zu fördern klingt jetzt erstmal nicht sehr digital, ist aber tatsächlich eine der großen Herausfoderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt.

 

Worauf darf sich das Publikum bei einem Ihrer Vorträge freuen?

In erster Linie versuche ich in meinen Vorträge hinter die aktuellen Schlagwörter zu blicken. Die Digitalisierung in ihrem Facettenreichtum ist für uns als Gesellschaft aber auch für unsere Organisationen eine grosse Herausforderung. Daher ist es um so wichtiger, dass wir uns kritisch mit den Trends auseinandersetzen und nicht unüberlegt und panisch losrennen, sondern in einen Dialog darüber eintreten, wie wir mit Technologie leben und arbeiten wollen. Mit meinen Vorträgen möchte ich dazu beitragen, dass mehr dieser Dialoge passieren.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Friesike!