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Tim Kröger

„Motivierte Menschen sind der Grundstein für Exzellenz“ – Interview mit Tim Kröger

Tim Kröger ist auf dem Wasser zu Hause. Deutscher Meister, Weltmeister, Gewinner des Admiral’s Cup – er ist Segelsportprofi auf höchstem Niveau! Im exklusiven Interview mit Athenas spricht er über Teamgeist, Kommunikation und Parallelen zwischen Segelsport und Wirtschaft.

Tim Kröger ist international bekannter Profisegler. In seinen Vorträgen spricht er über die Wichtigkeit von Teams und darüber, was Unternehmen vom Segelsport lernen können. Im Interview mit Athenas erzählt er von unvergesslichen Segelmomenten, Teamgeist und was seine Zuschauer von seinen Vorträgen erwarten können.

 

Herr Kröger, Sie sind einer der führenden Segelprofis Deutschlands. Zwei Mal sind Sie bereits um die Welt gesegelt, zweimal haben Sie am America’s Cup teilgenommen. Gibt es eine Situation an die Sie besonders gerne zurückdenken?

Eine? Es sind eher 1001 Momente, die sich in meinem Erinnerungsvermögen zu einem überdimensionalen impressionistischen und immer weiter wachsenden Gemälde zusammengefügt haben und das weiter tun. Da waren Mastbrüche und Glücksmomente. Schwere Stürme, bittere Niederlagen und großartige Surfs im Südpolarmeer. Es gab Stürze und das so wichtige Wiederaufstehen. Freundschaften fürs Leben. In der Retrospektive liegen 30 Jahre intensives Leben und Arbeiten in einem einzigartigen Umfeld auf den Ozeanen unseres Planeten hinter mir, mit denen ich sehr inspiriert in die nächsten Jahrzehnte gehe. In meinem Arbeitsumfeld erlebe ich immer wieder explosionsartige Horizonterweiterungen. Und noch etwas ist wichtig: Mein Job ist ohne Teamgeist unmöglich. Der ist es, der einen am Ende durch alle Tiefen und Höhen trägt.

 

Sie sprechen über die Parallelen von der Segelwelt und Wirtschaft. Was können Unternehmen vom Segelsport lernen?

So vieles! Das merke ich bei jedem Vortrag wieder. Vor allem, dass ein gut geführtes und optimal komponiertes Team der entscheidende Schlüssel zum Erfolg ist. Auf See greift dieses Prinzip fast noch intensiver, doch auch an Land ist es von unschätzbarem Wert. Durchdachtes und gekonntes Teamwork ist sogar noch mehr wert, entscheidet nicht nur über den Erfolg, sondern beeinflusst auch das Wohlergehen von Menschen intensiv und positiv. Motivierte Menschen sind nun einmal der Grundstein für Exzellenz.  Dort, wo das Prinzip „Alle für einen und einer für alle“ tatsächlich praktiziert wird, ist auch Güte nicht weit. Ich nenne es wie in meinem Buch das „Ich bin Wir“-Prinzip. Das lässt sich hervorragend vom Wasser aufs Land und in die Schaltzentralen der Wirtschaft übertragen.

 

Was zeichnet Ihrer Meinung nach ein erfolgreiches Team aus?

Ein erfolgreiches Team vereint die Besten in vielen für diesen Erfolg notwendigen Disziplinen in einer Mannschaft, die gemeinsam ein Ziel verfolgt. US-Schauspieler Morgen Freeman hat einmal gesagt, dass Schauspielern im Vergleich zum Hochseesegeln Kinderkram sei, denn die See verstünde keinen Spaß. Da hat er Recht. Wir nehmen sehr ernst, was wir tun. Hinzu kommt wieder der Faktor Teamgeist, der Menschen zu außergewöhnlichen Leistungen führen kann. Das habe ich beispielsweise mit dem südafrikanischen Team Shosholoza im 32. America’s Cup erlebt. Wir sind als absolute Außenseiter erstmals unter südafrikanischer Flagge in die prestigereichste Regatta der Sportgeschichte gestartet. Wir hatten keine Chance. Aber wir haben sie genutzt, sind gegen die Größen des Sports bis ins Viertelfinale vorgedrungen. Als Dankeschön hat damals T-Systems als unser Partner ganzseitige Anzeigen in großen deutschen Publikumszeitschriften geschaltet. Die Headline: „Ihr habt die Segelwelt auf den Kopf gestellt.“ Darunter war unsere Cup-Yacht auf dem Kopf segelnd abgebildet. Und ja, wir haben die Segelwelt tatsächlich ein bisschen auf den Kopf gestellt, obwohl wir mit dem kleinsten Budget und den am wenigsten erfahrenen Team gearbeitet haben. Doch wir hatten Teamgeist, der geholfen hat, den einen oder anderen Berg zu versetzen.

 

In Ihren Vorträgen sprechen Sie unter anderem auch über interkulturelle Kommunikation. Wie können kulturelle Barrieren in Teams überwunden werden?

Im internationalen Segelsport wird schon sehr lange interkulturell zusammengearbeitet. Für uns ist das auf Weltliga-Niveau absolut normal. Ich habe bestimmt schon mit Menschen aus 30, 40 verschiedenen Ländern und Kulturkreisen zusammengearbeitet. Dabei ergaben sich natürlich auch komische und lustige Momente. Etwa, wenn man mit abergläubischen Ritualen, nationalen Eigenheiten und historisch geprägten Vorurteilen zu tun bekommt. Doch vermeintliche kulturelle Barrieren werden schnell unwichtig, wenn nicht der Einzelne, sondern das Team und sein Ziel im Mittelpunkt steht. Ich habe immer wieder festgestellt, dass die Synergie-Effekte beim Verschmelzen eines interkulturell geprägten Teams beflügeln und dem Streben nach Erfolg sehr dienlich sein können. Entscheidend dafür, dass das auch wirklich funktioniert, ist eine starke Teamführung, die ebenso integrativ wie aufmerksam und die Stärken des Einzelnen sehend agiert. Es geht nicht darum, sich an vermeintlichen Schwächen anderer zu reiben, sondern ihre Stärken zu mobilisieren und zu nutzen. Dazu sind Souveränität und kluges Management vonnöten. Anders ausgedrückt: Führungsstärke. Die ist auf See genauso gefordert wie in jedem Unternehmen.

 

Was können Zuhörer von einem Ihrer Vorträge erwarten?

Inspiration und Motivation! Und das sage ich nicht, weil es gerade moderne Schlagworte sind. Ich meine es so. Was ich zu erzählen habe, sind authentische und teilweise extreme Erlebnisse in einem Teamsport. Da gibt es so viele Parallelen in die Wirtschaft. Ich schwafle nicht über Zeitgeist-Phrasen, sondern kann anhand erlebter Situationen und Geschichten belegen, was funktioniert und was nicht. Hinzu kommt natürlich, dass mein Berufsumfeld ungewöhnlich ist und imposante Bilder und Filme bietet, die meine Auditorien in dieser Weise selten zu sehen bekommen. Man kann also sagen, dass ich meine Zuhörer für eine kurze Weile mit auf einen Törn in ein unbekanntes und spannendes Revier nehme und wir dabei gemeinsam Parallelen entdecken, die sich auch für ihre Welt daraus ergeben.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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