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Referent Roland Günter

„Ich will zeigen, wie Biodiversität funktioniert und wie faszinierend sie ist.“ – Interview mit Roland Günter

Im exklusiven Interview mit Athenas plädiert unser Referent Roland Günter für den Erhalt der Biodiversität in Deutschland und liefert direkt Ideen zur Umsetzung. Außerdem spricht der Diplom Forst-Ingenieur über die Besonderheit seiner Multivisions-Vorträge.

Herr Günter, Sie haben Jahrzehnte als Diplom Forst-Ingenieur ein Forstrevier geleitet, bevor Sie Vortragsredner und einer der besten europäischen Makro-Naturfotografen wurden. Warum gerade dieser Wechsel?

In meinem Forstrevier war ich vor allem Unternehmer und erst an zweiter Stelle Naturschützer. Die Ansprüche beider Seiten entwickelten sich immer mehr auseinander. Ich wollte dagegen beides eher miteinander verbinden. Mir wurde klar, dass mir dieser Spagat nur durch eine stärkere Gewichtung des biologischen Aspektes gelingt. Aufgrund meiner umfangreichen Erfahrungen, die ich in biologischen, fotografischen und gesellschaftspolitischen Bereichen über viele Jahre hinweg gesammelt hatte, lag dieser Berufswechsel nahe. Zudem will ich aufzeigen, wie mit einfachen Mitteln die Vielfalt unserer Lebensräume, der sie bewohnenden Arten und deren genetische Ausstattung, also der Biodiversität, bewahrt werden kann. Unsere erfolgreiche Zukunft liegt in der Vielfalt – sowohl in der Natur als auch in der Wirtschaft.

 

Wie entstehen Ihre Fotos?

Ich beschäftige mich zunächst intensiv theoretisch mit jeweils einem bestimmten Thema. Das kann eine Tierart sein oder eine Pflanze, die ein Biotop für verschiedene Tierarten darstellt. Wenn ich dann draußen das Objekt meines Interesses aufgespürt habe, verbringe ich seinen „Alltag“ mit ihm. Dabei entstehen bis zu 10.000 Fotos. Manchmal bewege ich mich für Wochen oder gar Monate nur in einem Radius von mehreren Metern – w e n n ich mich bewege und nicht nur still verharre. So konnte ich schon viele Fotos machen, die bis dato noch niemandem gelungen waren.

 

Als Experte plädieren Sie für den Erhalt der Biodiversität in Deutschland. Warum ist diese bedroht? Und wie kann diese bewahrt werden?

Fällt im Produktionsbereich eines Unternehmens ein Mitarbeiter aus, können Kollegen seine Arbeit auffangen. Fällt ein weiterer Mitarbeiter aus, wird dieser „Lückenschluss“ schon schwieriger. Zieht eine Grippewelle binnen kurzer Zeit gleich mehrere Arbeitskräfte aus dem System Produktionskette heraus, kann dies für ein Unternehmen schnell existenzbedrohend werden.
Ähnlich verhält es sich in der Natur. Ein Beispiel, das auch mehrfach durch die Presse gegangen ist: das Insektensterben. Ökosysteme werden von unseren kleinsten Tieren stabilisiert. Eine riesige Insekten-Vielfalt gewährleistet zum Beispiel den Nährstoffkreislauf im Boden, sichert die Pflanzenvielfalt durch Bestäubung. Als Folge des Rückgangs der Insekten wird die Produktionsleistung der natürlichen Systeme zunächst instabil, bald existenzbedrohend. Sterben beispielsweise die Honig- und Wildbienen, wird ein Großteil der Pflanzen nicht mehr bestäubt. Auch zahlreiche landwirtschaftlich angebaute Pflanzen wie Raps, Obst oder Gemüse werden zunächst teuer und verschwinden innerhalb kurzer Zeit gänzlich. Ganze Bereiche der Nährstoffproduktion brechen zusammen, Existenzen von Landwirten und Obstbauern werden zerstört.

Wollen wir diesen Prozess aufhalten, müssen wir den Mut aufbringen, neue Wege zu gehen. Wir müssen unsere Beziehung und damit unseren Umgang mit der Natur völlig neu definieren.

 

Sie halten Multivisions-Vorträge für Ihr Publikum. Was macht diese so besonders, dass Sie Ihr Publikum derartig in den Bann ziehen?

Ich rede Klartext, wissenschaftlich fundiert und nachvollziehbar. Meine Zuhörer sollen in die Lage versetzt werden, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dazu kommen Fotos von meist nur wenige Millimeter großen Wesen, deren Welt den Zuschauern oft verschlossen bleibt, obwohl sie sie direkt vor ihrer Haustüre haben. Die Bilder und die eigens dafür komponierte Musik von Kai Arend schaffen ein geradezu sinnliches Erlebnis, bei dem auch das Schmunzeln nicht zu kurz kommt. Mit mir sehen die Zuschauer, was sie nicht sehen.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Günter