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Catharina van Delden

„Industrie 4.0 oder das Internet of Things sind nur die Spitze des Eisbergs“ – Interview mit Catharina van Delden

Catharina van Delden ist Gründerin der innosabi GmbH und Spezialistin für Crowdsourced Innovation. Im Interview mit Athenas spricht sie über das Entwickeln von Ideen, Digitalisierung und Trends der Zukunft.

Catharina van Delden verhilft mit Crowdsourced Innovation neuen Schwung in die Produktpalette von Unternehmen zu bringen. Was sich hinter diesem Begriff verbirgt und warum Transparenz in Innovationsprojekten so wichtig ist, erklärt sie im exklusiven Interview mit Athenas!

 

Frau van Delden, Sie sind erfolgreiche Unternehmensgründerin und Expertin für Crowdsourced Innovation. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Im Grunde bedeutet Crowdsourced Innovation, dass nicht nur ein einzelnes, kleines Team an einer neuen Idee arbeitet, sondern dass online eine große Community – seien es nun Mitarbeiter, Kunden oder einfach generell kreative Köpfe aus der ganzen Welt – all ihre Ideen, bunte Ansichten und breit gefächerten Fähigkeiten in das Innovationsprojekt einbringen können. Bei innosabi haben wir in der Vergangenheit oft zeigen können, dass dieser Prozess sehr erfolgreich und zielgerichtet verlaufen kann, wenn das Unternehmen damit umzugehen weiß.

Das tolle daran ist, dass sich die Entwicklung so deutlich agiler sein kann und Entscheidungen schneller getroffen werden können. Die neuen Angebote werden so direkt an den Bedürfnissen der Nutzer orientiert, die sogenannte Flop Rate von Produkten sinkt dadurch deutlich. Durch den kurzen Weg zwischen Angebot und Nachfrage können Konsumtrends deutlich schneller identifiziert werden, das spart Kosten in der Marktforschung und erleichtert die Evaluation von Innovationsprojekten enorm. Themen wie Transparenz, Kundenbindung und Glaubwürdigkeit, bei vielen Unternehmen ja leider nur leere Hüllen, werden durch die emotionale Verbindung der Kunden zum Unternehmen mit Leben und gemeinsamen Werten gefüllt.

 

Wie kann Crowdsourced Innovation zum Beispiel im Finanzsektor angewendet werden?

Beim Thema Banken & Finanzen spielt natürlich der Begriff der Sicherheit eine riesengroße Rolle wodurch man meinen könnte, dass neue Services und Produkte ausschließlich hinter verschlossenen Türen entwickelt werden könnten – jedoch ist das genaue Gegenteil der Fall! Services ohne das Involvement des Nutzers zu entwickeln kann zu fatalen Fehlern führen, die sich ganz einfach durch Crowdsourced Innovation, natürlich über entsprechend gesicherte Plattformen, vermeiden ließen.

Ein gelungenes Beispiel dazu ist das Ideenlabor der Postbank, dort werden online mit einer großen, offenen Kundencommunity Ideen generiert, Services angepasst und Prototypen getestet. Mit unserer Crowdsourced Innovation Software ist es möglich, relevante Ideen unkompliziert zu identifizieren und bei der Umsetzung das direkte Feedback der Kunden für Verbesserungen noch während der Entwicklungsphase zu nutzen.

 

Welche Herausforderungen kommen in Zukunft auf Unternehmen in Deutschland zu?

Wir sehen einen sehr deutlichen Trend in Richtung einer starken Digitalisierung der Wirtschaft und Forschung. Industrie 4.0 oder das Internet of Things sind hier aus unserer Sicht nur die Spitze des Eisbergs. Wir wollen weiterhin Vordenker in dieser interessanten und vielfältigen neuen Welt sein, und verfolgen dabei den Ansatz, dass nicht nur das Ergebnis agil und digital sein muss, sondern auch der Weg dorthin. Zielführende Prozesse und tiefgreifendes Verständnis für die technischen Aspekte dieser Entwicklung einerseits, aber auch die persönlichen, menschlichen Anforderungen an diese Technik auf der anderen Seite sind für uns die wichtigen Schlagworte auf dieser Reise in eine gemeinsame, großartige Zukunft.

 

Sie haben schon viele Projekte mit Unternehmen begleitet. Gibt es ein Ereignis, an das Sie besonders gerne zurückdenken?

Ein einzelnes Projekt hervorzuheben fällt schwer, weil es ja gerade die Abwechslung ist die ausmacht, was wir an Innovation und dem gesamten Weg dorthin so lieben. Seien es nun neue Geschmacksrichtungen für HARIBO, neue Produkte für Sportmarken wie ISPO oder sogar Lösungen in der hochspezialisierten Medizintechnik mit Medical Valley. Es ist extrem motivierend zu sehen, dass Entwicklung mit und durch die Crowd gelingen kann – das ist woran ich zurück denke, und auch, was ich mir für die Zukunft weiterhin wünsche.

 

Was können Ihre Zuhörer von einem Ihrer Vorträge erwarten?

Ich versuche immer direkte und ehrliche Einblicke in unsere tägliche Arbeit in Innovations-Projekten zu bieten und auch nicht zimperlich mit Kritik zu sein – Kritikfähigkeit ist absolut wichtig, beim Austeilen, aber auch beim Einstecken.

Ansonsten werden Zuhörer aber immer vor allem motivierende Worte von mir hören. Es gibt einfach nichts Großartigeres als Ideen auf ihrem Weg zur Wirklichkeit begleiten zu dürfen, ich teile gerne die Best Practice Ansätze von denen ich überzeugt bin. Trotz allem bleibt Innovation aber dennoch „Doing“, nicht nur Diskussion.

 

Wann ist ein Vortrag für Sie persönlich erfolgreich?

Der Erfolg eines Vortrags bemisst sich für mich nicht an der Dauer oder der Anzahl verwendeter Fremdwörter. Oft sind 3 Minuten interessanter und hinterlassen mehr Eindruck als eine Dreiviertelstunde. Ich denke es geht darum, ob man für die jeweiligen Zuhörer verständlich auf den Punkt bringen kann, was man wirklich zu sagen hat.

Für mich war ein Vortrag dann erfolgreich, wenn mir die Zuhörer nachher signalisieren, dass sie etwas für ihre tägliche Arbeit mitnehmen konnten, neue Ideen haben oder Inspiration gefunden haben.

 

Vielen Dank für das Gespräch!