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Stephanie Borgert

„Wir brauchen Flexibilität“ – Interview mit Stephanie Borgert

„Komplexität ist der Zustand unserer (Arbeits)Welt“, erklärt Stephanie Borgert. Im Interview mit Athenas spricht die Expertin für holistisches Management über Komplexität, Management und Flexibilität.

Stephanie Borgert ist Expertin für Komplexität. Besonders im heutigen Management ist Komplexität ein wichtiger Faktor. Im exklusiven Interview mit Athenas spricht sie über Management, Komplexität und Flexibilität.

 

Frau Borgert, Sie sind Expertin für Komplexität im Management. Inwiefern hat sich Management in den letzten Jahren geändert?

Zunächst einmal haben wir unsere Welt verändert. Beginnend mit dem Übergang von der Industrie- in die Wissensgesellschaft in den 1950’er/1960’er Jahre haben wir eine Welt geschaffen, die hochgradig vernetzt und dynamisch ist. Das hat die Komplexität erhöht. Die direkten Auswirkungen auf das Managen in Organisationen sind damit theoretisch klar, in der Praxis stelle ich jedoch fest, dass sich Management noch viel zu wenig verändert hat. Es steckt größtenteils noch fest in den Vorstellungen und Denkweisen des Industriezeitalters. Die passen auf unsere komplexen Aufgabenstellungen und Probleme aber nicht. Das führt zu Fehlentscheidungen (oder fehlenden Entscheidungen), noch mehr Kontrolle und erhöhtem Stresspegel bei den einzelnen Managern selbst. Wir stehen aber an einem Punkt, an dem Management sich verändern muss und das eigentlich schon gestern. Die meisten Geschäftsführer, Vorstände und Führungskräfte wissen das, fragen sich aber noch „Wie“.

 

Ihr Claim ist „In Führung gehen: Erfolgsfaktor Komplexität“. Warum ist Komplexität für Sie ein Erfolgsfaktor?

Komplexität ist der Zustand unserer (Arbeits)Welt. Wenn ich auf Dauer erfolgreich (im wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen,… Sinne)sein will, muss ich die Komplexität meistern. Ich kann sie weder eliminieren, reduzieren, noch ignorieren, ich muss damit umgehen. Wer die Komplexität mit all ihren Facetten akzeptiert und damit umgehen lernt, wird sich behaupten und durchsetzen.

 

Sie sind auch Autorin. Ihr neuestes Buch heißt „Die Irrtümer der Komplexität“. Können Sie uns ein Beispiel für einen Irrtum über Komplexität nennen?

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ ist eine immer noch beliebte Managementmaxime. In vielen Organisationen glaubt man daran, dass man sie steuern kann. Nach dem Motto: Gibt man x rein, kommt ganz sicher y dabei heraus. Das wird kontrolliert (Stichworte: Benchmark, Controlling, Reporting usw.) und dann erreichen wir unsere Ziele. Komplexe Systeme lassen sich nicht steuern, auch nicht über Kontrolle! Sie sind immer selbstorganisiert. Das heißt, die inneren Einflüsse des Systems wirken stärker als das, was von außen per Management eingeht. Um auf ein komplexes System Einfluss nehmen zu können, braucht es Feedback. Es ist der einzige Regelungsmechanismus, der uns in komplexen Systemen zur Verfügung steht. Damit das gelingt, müssen Manager „ihr“ System verstehen und bewerten.

 

Welche Rolle spielt Flexibilität im Management?

Eine Hauptrolle. Komplexe Systeme sind nicht vorhersagbar. Daraus ergibt sich, dass wir Ausprobieren müssen, Fehler machen werden, laufend Korrigieren werden und uns den ändernden Bedingungen anpassen müssen. Ich nenne das Adaptivität. Wir brauchen Flexibilität in der Wahl der Werkzeuge, Methoden, Tools und vor allem der Denk- und Sichtweisen.

 

Wann ist ein Vortrag für Sie persönlich erfolgreich?

Wenn die Teilnehmer (ich arbeite gerne mit Interaktionen, weshalb es keine reinen Zuhörer gibt) mit Impulsen für ihren konkreten Kontext heimgehen, den einen oder anderen AHA-Effekt erlebt haben und über den Vortrag sagen: „Das hat mir echt Spaß gemacht. Die Zeit verging wie im Flug.“

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Haben Sie Interesse an einem Vortrag unserer Referentin? Hier geht es zu Stephanie Borgerts Referentenprofil.