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Maren Lehky

“Gehen Sie mit mehr Energie wieder zurück in den Job, als ob ein Funke von Kraft Sie entzündet hat” – Interview mit Maren Lehky

Maren Lehky ist Führungsexpertin, Managementberaterin und Bestseller-Autorin. Lesen Sie hier ihr exklusives Interview mit Athenas.

Frau Lehky, Sie sind Führungsexpertin. Wie hat sich die Rolle von Führungspersönlichkeiten in den letzten Jahren geändert?

Führung hat sich enorm verdichtet, ist anspruchsvoller und komplexer geworden. Wir haben nicht nur gefühlt weniger Zeit für Führung, sondern tatsächlich. Führungsebenen wurden zusammengestrichen, Sekretariats- und Assistenzfunktionen abgebaut, so dass einerseits die adminstrative Belastung stieg und andererseits die Führungsspanne größer wurde. Hinzu kommt die Digitalisierung der Arbeitswelt mit ihren Besonderheiten wie dem Führen auf Distanz, den vielen Impulsen durch E-Mails rund um die Uhr sowie dem gestiegenen Tempo. Und wir schauen genauer hin, was Führung unter einer Art Vergrößerungsglas stattfinden lässt. Führung wird gemessen, Mitarbeiterzufriedenheit abgefragt, die Führungsleistung wird zum Bonusbestandteil und durch externe Medien im Internet ebenso bewertet. Insofern ist Führung heute wirklich eine Aufgabe für Fortgeschrittene. Sie sprechen in einem Ihrer Vorträge über Frauen in Führungspositionen. Inwiefern unterscheiden sich die

 

Führungsqualitäten von Männern und Frauen?

Interessant finde ich, dass Untersuchungen uns zeigen, dass nicht ein Geschlecht besser führt als das andere. Wie gut man führt, hängt u.a. davon ab, wie gern man sich mit Menschen und ihren Besonderheiten auseinandersetzt, wie sehr man vielleicht sogar Menschen liebt. Das ist erst einmal geschlechtsunabhängig. Was wir vor allem beobachten können, sind unterschiedliche Talente im Selbstbewusstsein und Selbstmarketing und im Kommunikationsstil. Mehr zuhören, mehr und offener fragen, mehr Zeit für Überzeugung aufzuwenden, wäre eher weiblich. Mehr Bewusstsein für die Stärken und sich selbst mehr zuzutrauen, damit auch für mehr Budget, Ressourcen und eigenes Gehalt einzustehen, eher männlich, wenn man an beiden Polen nach den Unterschieden sucht. In meinem Vortrag zum Thema Frauen in Führungsrollen geht es vor allem darum, zu reflektieren, welche Hindernisse Frauen sich oft selbst in den Weg legen, woher diese kommen, wie man sich in einer noch immer überwiegend männlich geprägten Businesswelt mit ihren Werten und Ritualen so aufstellt, dass man erfolgreich führen kann und auch so wahrgenommen wird. Es geht um typische Dos und Don’ts, die eine Karriere beeinflussen können.

 

Wie funktioniert Mitarbeitermotivation Ihrer Meinung nach heute?

Die Bedeutung von Überzeugungskraft, Authentizität und Kompetenz steigt weiter an in Bezug auf Motivation. Die Goldstreifen am Ärmel allein reichen nicht mehr, Hierarchie wird sich immer weiter abschwächen. Menschen zu motivieren, gemeinsame Ziele zu erreichen, heißt, über Ziele zu führen, selbst immer mehr loslassen zu können, jeden individuell nach seinem Bedarf anzusprechen und ein Klima zu schaffen, wo Vertrauen und Interesse am Gegenüber und seinen Talenten herrscht. Das Ganze garniert mit Konsequenz und einem klaren Wertekompass sowie Veränderungs- und Reflexionsfähigkeit, das wäre eine gute Mischung. In Zeiten von andauerndem Change dafür zu sorgen, dass jeder auf die Reise mitgenommen wird, heißt auch, der Übersetzerrolle gerecht zu werden und Hoffnung sowie einen roten Faden zu vermitteln. Wir müssen davon ausgehen, dass Mitarbeiter sich zukünftig immer freier für oder auch gegen einen Arbeitgeber entscheiden werden. Automatisch lange irgendwo bleiben zu wollen, ist eher ein abnehmender Trend. D.h. für Führung, dass ich über die Ziele und den individuellen Rahmen der Entwicklung immer neu begeistern muss, so dass Mitarbeiter sich immer wieder aktiv für mich als Chef entscheiden.

 

Sie sind auch Bestsellerautorin. Können Sie uns einen Einblick in Ihr neuestes Buch „Neue Kraft für Manager“ geben?

Sehr gern. Das Buch ist aus zwei Impulsen entstanden. Zum einen ist im Vortrag „Leadership 2.0“ immer der Teil über die eigene Energiebilanz der Führungskräfte derjenige, der Menschen besonders berührt und persönlich betroffen macht. Es geht um sie selbst und um ihr Leben, und da herrscht jedes Mal eine große Stille, ich fühle die Resonanz förmlich im Raum. Zum anderen kamen immer mehr Coachingklienten auch mit Fragen aus den Themenbereichen ihres eigenen Lebens, ihrer Erschöpfung, ihrem kompliziert zu managenden Privatleben, dem Stress, den Anforderungen der Rolle und immer wieder auch mit der Frage, „Warum soll ich motivieren, wenn mich keiner motiviert, wer kümmert sich denn eigentlich um mich?“. Diese Frage wird immer relevanter, je weiter eine Karriere nach oben führt. Es wird tatsächlich von Unternehmensseite kein Investment in die Energie und Kraft der Führungskräfte getätigt. Wir sehen inzwischen viel Engagement für die Gesundheit und psychische Stabilität von Mitarbeitern, aber noch nicht für Führungskräfte. Dabei sollen diese den ganzen Tag viel geben und andere stärken. Und so geht es in diesem Buch vor allem darum, aus wesentlichen Facetten des Lebens zusammenzutragen, was hilft. Wie kann ich zu den Themen eigener Chef, schwierige Mitarbeiter, Stress, Gesundheit, Privatleben, innere Konflikte und eigene Antreiber jeweils die Hebel für mich finden, mich besser aufzustellen und für mich zu sorgen? Wie schaffe ich es, trotz der Belastung erfüllend zu leben und auch morgen noch Freude und Kraft für die Führungsaufgaben zu haben? Darum geht es im neuen Buch und natürlich auch im Vortrag dazu.

 

Was können Zuschauer von einem Ihrer Vorträge erwarten?

Was alle Vorträge eint, sind Pragmatismus und handwerklich umsetzbare Tipps aus der Praxis für die Praxis. Beispiele aus dem echten Leben, gepaart mit einem eher humorvollen Blick darauf. Es herrscht eine Atmosphäre von Leichtigkeit, unabhängig von der Schwere der Themen. Die meisten Zuhörer empfinden es so, dass sie mit mehr Energie wieder zurück in den Job gehen, dass ein Funke von Kraft sie entzündet hat. Daneben gibt es immer Hintergrundinfos, die einen Aha-Effekt haben und einen roten Faden, der zur Reflexion einlädt. Also etwas fürs wirkliche Leben.

 

Vielen Dank für das Gespräch!