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Kai Ulrich

„Informationen haben heute, neurologisch gesehen, eine geringere Haltbarkeit als früher“ – Interview mit Kai Ulrich

Kai Ulrich ist Profil-Experte und Kommunikations-Profi. Regelmäßig begeistert er sein Publikum als Moderator und Referent. Im Interview mit Athenas spricht er über seinen Beruf, das Vermitteln von Wissen und merk-würdige Auftritte.

 

Herr Ulrich, Sie moderieren verschiedenste Veranstaltungen. Wie bereiten Sie sich auf Ihre Auftritte vor?

Es gilt, die Balance zu halten zwischen inhaltlicher Vorbereitung auf das Thema und der Einstimmung auf die Gäste. Das läuft bei mir idealerweise so ab: Gut vorbereiten bis zum Vortag der Veranstaltung. Dann ziehe ich einen Strich und gehe in einen inneren Dialog mit meinem Publikum, visualisiere vor meinem inneren Auge, setze sprachliche Anker und skizziere grafische Symbole. Dabei überprüfe ich immer wieder, ob ich mich selbst gut abgeholt fühlen würde, wäre ich mein eigenes Publikum.

 

Was begeistert Sie am meisten am Beruf des Moderators?

Ich liebe es, raus zu gehen und Menschen über Sprache und Präsenz für ein Thema zu begeistern. Es ist ein sehr gegenwärtiges Arbeiten: Alles für diesen Moment, das Thema und das Publikum.

 

Sie bringen Hochkomplexes verständlich auf den Punkt und plädieren für mehr Schlüsselbotschaften in Präsentationen. Wie gelingt es Ihnen, nicht den Überblick zu verlieren?

Also zunächst erleben wir heute überall sprachliche Verdichtung, aus gefühlt knapper Zeit heraus: Kurznachrichten, Zusammenfassungen, kürzere Artikellängen in Zeitungen oder abstracts von Büchern. Die Wahrheit ist: Zeit um zu lesen oder zuzuhören ist so viel vorhanden wir früher. Aber kürzer ist besser, weil unser Gehirn der Informationsflut nur über verkürzte Aufmerksamkeitsspannen Herr wird. Denn Informationen haben heute, neurologisch gesehen, eine geringere Haltbarkeit als früher, einfach weil es so viele und ununterbrochen neue gibt. Das Erfolgsprinzip dazu ist: Schlagzeilen, Schlüsselbegriffe, Zwischenüberschriften und Kernbotschaften. Diese werden dann gut erinnert, wenn sie einem klaren Gedanken folgen. Und: gut verpackt sind! Denn unser Gehirn funktioniert wie ein Wissens-Netz. Sprachliche Bilder und visuelle Assoziationen in Präsentationen helfen also Verbindung zu Vorhandenem aufzubauen – Die Berufsbezeichnung „Subventionslotse“ wird daher besser erinnert als „Berater für Fördermittelmanagement“. Das Publikum ist dankbar, wenn eine Rede, eine Moderation oder ein Pitch gehirngerecht aufbereitet sind. Es motiviert, es macht mehr Spaß zuzuhören und man kann das Gehörte später besser wieder abrufen.

 

Was können Ihre Zuhörer von Ihrer Moderation erwarten?

In kurzer Zeit etwas ganz persönliches, eine vertraute Verbindung, eine Beziehung, wenn Sie so wollen! Hört sich komisch an? Ist aber so. Die Kunst besteht darin, die Moderation vom Publikum her zu beginnen – mit einer Geschichte, einem aktuellen Ereignis oder einem persönlichen Erlebnis. Erst wenn das gelingt, ist auch das innere „Ja“ zum Thema möglich. Eins, ob im Workshop zu Arbeitsthemen, mit Großgruppen oder bei gemischtem Publikum auf einem Event – Klarheit, Erkenntnissprünge und gute Unterhaltung gehören in jede gute Moderation hinein.

 

Vielen Dank für das Gespräch!