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Viola Möbius

„Der Schlüssel ist Authentizität, deren Vorstufen Mut und Akzeptanz der eigenen Person ist – die ich aber genau kennen muss, um sie zu akzeptieren.“ – Interview mit Viola Möbius

Das Ex-Model Viola Möbius ist heutzutage die Authentizitäts-Expertin Deutschlands, Keynote-Speakerin und Autorin. Lesen Sie ihr Interview hier.

Frau Möbius, Sie haben lange als Profimodel gearbeitet. Was haben Sie dabei am meisten gelernt?

Zunächst musste ich bei den Castings für das jeweilige Fotoshooting oder den Werbespot – und ich habe unzählige durchlaufen – es schaffen, in kürzester Zeit alles auf eine Karte zu setzen, um mich bestmöglich zu präsentieren und für den Job zu qualifizieren. Im Grunde nicht anders, als Elevator-Pitches ablaufen. Bei dem Job selbst waren dann oft stundenlange absolute Konzentration und Disziplin angesagt. Die Kehrseite der Medaille: war ich es nicht, die für das Casting bzw. den Job in Frage kam, waren harte Ablehnungen keine Seltenheit. Umso mehr war es wichtig für mich, darauf zu achten, meine Wertigkeit, mein Können und meine Persönlichkeit nicht davon abhängig zu machen, ob jemand anderes mich als Mensch oder für eine Sache als geeignet oder ungeeignet hielt. Da ich auch stets in eine andere Rolle schlüpfen musste und es eine recht oberflächliche Branche ist, habe ich mich damit beschäftigt und hinterfragt, wer ich bin. Dieses Wissen über meine Identität, meine Potentiale, mein ICH war immer meine absolute Konstante und Stärke.

 

Sie sind DIE Authentizitäts-Expertin. Wie kam es dazu?

Nun, zum Einen geprägt durch das Image, die Referenzen und mir zugeschriebenen Eigenschaften – Aspekte, die durch Erfahrungen entstanden sind, die Andere – wie Auftraggeber, Gesellschaft und Medien – mit mir gemacht haben. Und, indem ich mich durch mein eigenes Wissen und Handeln zum Spezialisten auf dem Gebiet gemacht habe. Zum Anderen gehört dazu: Wie oft beschäftige ich mich mit dem Thema Authentizität? Für mich ist es ein tagtägliches Auseinandersetzen: 1. gelebte Authentizität, die nicht – wie viele Menschen denken – nur bedeutet, dass ich einfach so rede, wie ich bin; nein, damit ist Authentizität weder beantwortet, definiert noch gelebt, und 2. dass Authentizität – bei aller Themenvariabilität meiner Vorträge, Seminare und Bücher – immer Kernthema und Basis dieser ist.

 

Uns selbst und unsere Handlungen zu hinterfragen, ist eine Ihrer Techniken. Was haben wir davon, wenn wir uns ständig selbst hinterfragen?

Ich schreibe ja auch Krimis – da lieben die Leser Fragen; kein Wunder, denn sie bringen Antworten und Lösungen. Hingegen stehen die wirklich spannenden, übergreifenden Fragen rund um das eigene Leben bei den meisten Menschen überhaupt nicht auf dem Lebensplan. Aber genau die bringen eben auch Antworten, z.B. wer ich bin, wie ich danach handele, warum ich hier bin, genau wie über meine Stärken, meine Talente, meine Leidenschaften, über den wahren Grund meiner Ziele und Wünsche, um ein glückliches und erfülltes Leben führen zu können – was auch immer jeder darunter versteht. Interessant ist doch auch die Tatsache, dass viele Menschen oft auf ein Leben hin leben, das sie irgendwann einmal führen möchten, statt zu hinterfragen, warum sie es nicht jetzt schon tun.

Ein großes Wissen über die eigene Identität gibt letztendlich Antworten auf alles.

 

Wieso sollten wir nicht so nach sozialer Anerkennung streben? Und wie können wir anders denken als der Mainstream?

Soziale Anerkennung heißt, zu tun, was erwartet wird, einer Vorstellung zu entsprechen und oft sogenannter künstlicher Kompetenzhaltung zu folgen, was ein Leben fernab der Norm und ein eigenes Lebensmodell schwer, wenn nicht unmöglich macht. Soziale Anerkennung erhalten wir durch andere Menschen, also lasse ich mich, mein Verhalten, mein Leben ständig durch andere begucken und bewerten, die aber weder meine Gedanken, Gefühle und Wünsche kennen, noch mit den Konsequenzen meiner Entscheidungen – auch den nicht gefällten – leben müssen. Um dem Mainstream zu entkommen, muss ich erst einmal wissen, wer ich bin und mich von Ängsten befreien, um den Mut zu haben, ich selbst zu sein. Das Problem ist, dass wir viel zu wenig Zeit mit uns allein verbringen; ja selbst Angst haben, eigene Lebenszeit für uns zu fordern, um genau das herauszufinden. Und da die meisten Menschen sich nicht gut kennen, folgen sie dem, wie man üblicherweise so lebt. Der Schlüssel ist Authentizität, deren Vorstufen Mut und Akzeptanz der eigenen Person ist – die ich aber genau kennen muss, um sie zu akzeptieren. Allein schon das würde mich anders denken lassen, als der Mainstream.

 

Was darf Ihr Publikum von einem Ihrer Vorträge erwarten?

Provokation! Fragen! Polarisation! Lebendige Beispiele! Und natürlich das, wofür ich bekannt bin: eine wirklich unkonventionelle Sicht auf die Dinge, um somit eine Variabilität der Gedanken anzuregen. Doch letztendlich sind es oft meine provokanten Fragen, die nachhaltig im Kopf bleiben! Geschuldet dem natürlichen Drang, dass unser Geist Fragen beantworten möchte. Aber damit auch die Fähigkeit aufzuwecken, sich selbst mal wieder Fragen zu stellen. Um sich dann eben nicht wie so oft mit einfachen Antworten zu begnügen, sondern einmal über das Maximum nachzudenken, über das, was alles „drin“ ist, wenn wir Mut haben, unsere Potentiale zu nutzen – beruflich und privat.

 

Vielen Dank für das Gespräch!