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Referent Stefan Riße Vortrag

„Der Mensch ist von Emotionen getrieben. Das führt zu manchmal verrückten Reaktionen, die sich der Börsenlaie nicht erklären kann.“ – Interview mit Stefan Riße

Unser Referent Stefan Riße spricht in seinem Interview über seine Begeisterung zur Börse und warum diese auch gerne mal emotional und nicht rational reagiert. Außerdem geht er auf Bitcoin und Blockchain-Technologie ein und sagt, warum er überzeugt von der Zukunftsfähigkeit ist.

Herr Riße, Sie begeistern sich bereits seit Ihrer Jugend für das Thema Finanzen und genauer die Börse. Woher kommt diese Faszination?

Ich habe 1985 über die Schule am Planspiel Börse der Sparkassen teilgenommen. Außerdem befasste sich mein Radsporttrainer mit dem Aktienmarkt. Es waren die 80er Jahre. Damals gab es auch schon mal einen Boom, der seinen Höhepunkt mit der Neuemission der Puma-Aktien erreichte. Diese war zu unter 300 D-Mark an den Markt gekommen und stieg dann auf 1.500 als Boris Becker damals das erste Mal Wimbledon gewann. Lange ist es her. Seitdem gab es keine Nacht mehr ohne dass ich ein Börsenengagement gehabt habe. Ich sage immer, ich stehe auf mit dem Nikkei-Index in Japan, esse Mittag mit dem DAX und gehe zu Bett mit dem Dow Jones Index. Was mich an der Börse so fasziniert sind nicht die Zahlen. Das sind nur die Erscheinungen an der Oberfläche. Tatsächlich spiegelt die Börse die Weltgeschichte wieder und die menschliche Psyche. Euphorie und Angst bestimmen oft das Geschehen und die Herausforderung liegt darin, sich im Gegensatz zur Mehrheit nicht von diesen Emotionen mitreißen zu lassen, sondern rational zu bleiben. Das gelingt nie ganz, aber es zu versuchen und darin immer besser zu werden, ist eine große spannende Herausforderung.

 

Als Finanzexperte kennen Sie sich mit Erscheinungen wie Bitcoin bestens aus. Was hat es mit diesen Krypto-Währungen auf sich? Welche Ideen verstecken sich dahinter?

Dahinter stecken im Grunde zwei Ideen. Zum einen die einer neuen Währung, die die Menschen selbst erschaffen unabhängig vom staatlichen Währungsmonopol und den Zentralbanken und zum anderen die Blockchain-Technologie, auf der der Bitcoin und auch die anderen Krypto-Währungen basieren. Bei der Technologie bin ich mir sicher dass sie sich durchsetzt und bei gewissen Prozessen der Digitalisierung eine gewichtige Rolle spielen wird. Davon ist fest auszugehen. Es gibt bereits Projekte, die den Nutzen belegen. Für alle Datenbankanwendungen mit klaren Beziehungsverhältnissen kann die Blockchain-Technologie enorme Vereinfachung herbeiführen. Was den Bitcoin und seine Währungsfunktion betrifft, so ist äußert unwahrscheinlich, dass er diese je erreichen wird. Diverse Gründe sprechen dagegen. Da ist zum einen die Trägheit der Technologie. Der Bitcoin ist technologisch gesehen unter den Kryptowährungen ja schon veraltet. Es gibt aber im Grunde keine einzige dieser neuen Währungen über die man nur annähernd die Menge an Zahlungstransaktion abwickeln könnte, die unser heutiges System bewältigt. Außerdem glaube ich nicht, dass die Staaten es zulassen werden, dass sich ein unkontrolliertes paralleles Währungssystem entwickelt. Alle Geldwäschegesetze ließen sich so ganz einfach aushebeln. Dennoch ist die gesamte Entwicklung sehr spannend. Irgendwann werden wir sicher Zahlungen auf Basis der Blockchain abwickeln.

 

Sie sprechen über die irrationale Logik der Börse. Was hat es damit auf sich?

Nach der immer noch vorherrschenden Lehre an den Universitäten wird der Mensch als rational handelnde Person betrachtet, als sogenannter homo oeconomicus. Doch das ist Unsinn. Der Mensch ist wie schon erwähnt von Emotionen getrieben. Das führt zu manchmal verrückten Reaktionen, die sich der Börsenlaie nicht erklären kann. Der 1999 verstorbene Börsenaltmeister André Kostolany, mit dem ich ja eng befreundet war, sagte: „Die Börse reagiert manchmal wie ein Alkoholiker. Auf gute Nachrichten hin weint sie und auf schlechte hin lacht sie.“ Wenn man sich aber in die irrationale Logik der Börse hineinfindet, dann hat man echte Chancen erfolgreich zu sein. Privatanlegern rate ich aber ohnehin, einfach langfristig in gute Unternehmen zu investieren. Das zahlt sich in fast allen Fällen viel stärker aus als zu viel Aktivität.

 

Worauf darf sich Ihr Publikum vor einem Ihrer Vorträge freuen?

Normalerweise lasse ich lieber andere über mich sprechen. Aber ausgehend von dem Feedback und den vielen Referenzen, die ich über die Jahre erhalten habe, darf sich mein Publikum auf einen sehr allgemein verständlichen, spannenden und sehr unterhaltsamen Vortrag freuen. Ich zeige immer das große Bild auf, so dass die Zuhörer etwas mitnehmen, das im Kopf bleibt.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Riße!