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Jan Tenhaven

„Ich mag die Herausforderung, auch bei komplexen Sachverhalten eine Erzählweise zu finden, die eine Geschichte verständlich und vor allem auch emotional erlebbar macht.“ – Interview mit Jan Tenhaven

Jan Tenhaven ist Autor & Dokumentarfilmregisseur. Im exklusiven Interview mit Athenas spricht über seine Herangehensweise an seine Dokumentarfilme und was ihn am Filmemachen so fasziniert.

Herr Tenhaven, Sie sind Regisseur von Dokumentarfilmen und Reportage. Was fasziniert Sie so daran?

Nichts ist spannender als die Wirklichkeit! Durch meine Arbeit habe ich das große Privileg, intensiv in mir fremde Themen und Lebenswelten einzutauchen, um diese dem Publikum nahe zu bringen. Ich mag die Herausforderung, auch bei komplexen Sachverhalten eine Erzählweise zu finden, die eine Geschichte verständlich und vor allem auch emotional erlebbar macht.

 

Was ist das Besondere an Ihren Filmen?

Fast immer nähere ich mich einem Stoff über die Menschen. Denn so abstrakt ein Thema auch am Anfang klingen mag: Am Ende sind es doch immer Menschen, die Geschichte geschrieben haben oder die hinter wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Die nackten Zahlen und Fakten machen für mich noch keinen packenden Film, die werden natürlich automatisch miterzählt, aber am meisten interessieren mich die Protagonisten mit ihren Träumen und Leidenschaften. Denn ich bin überzeugt: Wenn man die versteht, fällt auch der Zugang zu den rein faktischen Inhalten leichter.

 

Ihre Dokumentarfilme reichen thematisch vom Alter, über die Digitalisierung, bis hin zu Krieg und Flüchtlingen. Wie kommt es zu dieser Bandbreite?

Weil ich selber kein Experte für ein bestimmtes Fachgebiet bin und auch gar nicht sein will. Wenn ich einen Film zu einem Thema X gemacht habe, will ich meistens nicht noch einen weiteren Film dazu machen. Am liebsten sind mir Aufträge, bei denen ich am Anfang vom Thema nur sehr wenig Ahnung habe, um ganz naive Fragen stellen zu können und um mit den Augen einen x-beliebigen Außenstehenden an die Arbeit zu gehen. Dann grabe ich mich intensiv ein, lese sehr viel, unternehme Recherchereise, treffe die unterschiedlichsten Menschen, bis ich das Thema wirklich einigermaßen durchdrungen habe. Erst dann versuche ich, den Stoff auf seine Essenz zu kondensieren, die besten Bilder zu finden und die richtigen Interviewpartner auszusuchen.

 

Worauf darf sich Ihr Publikum bei Ihren Vorträgen freuen?

Ich doziere nicht von oben herab, sondern begegne dem Publikum auf Augenhöhe, weil ich ja selber bei jedem Thema nur ein Autodidakt bin, der lediglich den Vorteil hatte, sich intensiv einzuarbeiten und spannende Interviewpartner zu treffen. Meinen Vortrag kombiniere ich mit Ausschnitten aus meinen Filmen oder zeige auf Wunsch den kompletten Film – das macht auch komplizierte Themen besser verständlich und lockert natürlich eine Veranstaltung auf. Ganz wichtig: Auch ein gründlich recherchierter Dokumentarfilm bildet nie die ganze Wirklichkeit ab, sondern zeigt nur einen Ausschnitt, der von mir subjektiv gewählt wurde. Meine Bilder und Interviewpartner stehen oftmals pars pro toto für etwas Größeres, spitzen zu, emotionalisieren, polarisieren vielleicht auch. Insofern eignen sich meine Vorträge gut als Impulsreferat, um eine Diskussion anzustoßen oder um den Auftakt für weitere, vertiefende Vorträge zu geben. Die absolute Wahrheit habe ich jedenfalls nicht gepachtet.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Tenhaven!