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„Zu häufig dominieren die Bedenkenträger die Macher. Zu häufig wird eben nicht ‚einfach mal gemacht‘.“ – Interview mit Felix Plötz

Felix Plötz ist Bestsellerautor und steht für den „einfach mal machen“-Spirit, wie kein Zweiter. Überzeugen Sie sich selbst und lesen Sie sein Interview.

Herr Plötz, Sie hatten als Wirtschaftsingenieur eine sehr erfolgreiche Karriere bevorstehen, habe sich aber dazu entschieden auszusteigen. Warum?

Ich war zwar bereits sehr weit gekommen, hatte mit Ende zwanzig schon eine Umsatzverantwortung für mehr als 30 Millionen Euro, aber dennoch das Gefühl auf der Stelle zu treten. Oder besser gesagt: In die falsche Richtung zu laufen. Im Großraumbüro konnte ich ja live miterleben, wie meine Karriere in 5 oder 10 Jahren aussehen würde und die Aussicht darauf, noch weiter in Bürokratie zu versinken hat mich nicht besonders angemacht.

Ich wollte wieder eine steilere Lernkurve und mein eigenes Ding machen. Konkret: Ich wollte herausfinden, ob ich es schaffe, ein eigenes Startup erfolgreich aufzubauen. Ich hatte im Konzern zu häufig gehört, dass andere am Misserfolg Schuld sind – egal ob der Einkauf, das Engineering, oder sonst wer. Ich hatte die Nase voll davon und wollte „einfach mal machen“ – die Segel selbst in den Wind halten und die volle Verantwortung für meinen Erfolg -oder Misserfolg- übernehmen.

Und es klappte: 2011 gründete ich mein Startup – und zwar neben dem regulären Vollzeitjob. Vier Jahre später konnte ich das Business erfolgreich an den ADAC verkaufen. Dieses ursprüngliche Nebenprojekt bzw. „4-Stunden-Startup“ wurde dann Grundlage und Namensgeber für mein aktuelles Buch „Das 4-Stunden-Startup“, das bereits jetzt zu den meistverkauften Wirtschaftsbüchern gehört und u.a. SPIEGEL-Bestseller, Manager Magazin-Bestseller, Handelsblatt-Bestseller und Audible Top-10 Hörbuch des Jahres 2016 ist.

 

Als Vertreter der “Generation Y” verstehen Sie die Bedürfnisse und Erwartungen der heute jungen Arbeitnehmer. Was macht diese Generation so besonders?

Wir erleben einen Wertewandel, der den Anspruch an Führung in Unternehmen völlig verändert. Die junge Generation hat durch all die Krisen der letzten 10, 15 Jahre schlicht den Glauben an die klassischen Motivatoren der Arbeitswelt wie Geld und Sicherheit verloren. An ihre Stelle sind Bedürfnisse wie Freiheit, Selbstverwirklichung und der Wunsch, mehr als nur ein kleines Zahnrad im großen Getriebe zu sein, getreten.

Diese Wünsche muss ich als Führungskraft nicht teilen, aber ich muss sie zumindest verstehen, denn es verändert meine Aufgaben! Diese veränderten Motivatoren sind übrigens der Grund, warum Startups für junge Leute so sexy sind. Sie verkörpern genau diese Sehnsüchte wie Freiheit, Mitbestimmung und das Gefühl, etwas bewegen zu können. Die Generation Y wird von vielen Führungskräften als „unbequem“ empfunden, dabei steckt ihn ihr unglaubliches Potenzial – das nur richtig gehoben werden muss!

 

Drei Bücher. Drei Bestseller. Wie gelingt es Ihnen mit Ihren Büchern wieder und wieder scheinbar einen Nerv beim Publikum zu treffen? Was macht Ihre Bücher aus?

Das 4-Stunden-Startup ist so erfolgreich, weil es das Bedürfnis nach selbstbestimmter, sinnvoller Arbeit mit der Möglichkeit verknüpft, dafür nicht kündigen und auf Sicherheit verzichten zu müssen. Letztlich hat der Wunsch, seine Möglichkeiten und Talente maximal zu nutzen, eben nicht nur was mit der vermeintlich „traumtänzerischen“ Generation Y zu tun, sondern ist ein Bedürfnis, das keine Altersgrenze kennt.

Nochmal: Wer Führungskraft versteht, der kann ein enormes Potenzial bei seinen Mitarbeitern heben.

 

Sie sprechen viel über den “einfach mal machen”-Spirit von Start-ups. Wieso ist dieser so speziell?

Fakt ist doch: etablierte Unternehmen beschäftigen sich zu viel mit sich selbst, sind zu bürokratisch, zu inflexibel und zu wenig auf ihren wichtigsten Werttreiber fokussiert – ihren Kunden! Jeder Manager kennt das, was ich auch erlebt habe: Silodenken, Verantwortung abschieben, auf Sicherheit spielen.

All das können sich Startups nicht erlauben. Wenn sie es nicht schaffen, 100 % ihrer Energie dem Kunden und seinen Bedürfnissen zu widmen, dann sind sie ganz schnell weg vom Fenster!

 

Was darf Ihr Publikum von Ihren Vorträgen erwarten und wann ist ein Vortrag für Sie erfolgreich?

Ich bringe genau diesen „einfach mal machen“-Spirit von Startups auch in etablierte Unternehmen. Mir ist völlig klar, dass Konzerne nicht plötzlich zu Startups werden können – das sollen sie auch gar nicht! Aber egal, in welcher Branche ich spreche und egal ob es ein DAX-Unternehmen oder Mittelständler ist: Zu häufig dominieren die Bedenkenträger die Macher. Zu häufig wird eben nicht „einfach mal gemacht“. Den Anstoß zu geben, das zu ändern ist mein Anspruch und meine Motivation.

 

Vielen Dank für das Gespräch!