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Dr. Carl Naughton

„Neugier ist die Triebfeder der Kreativität“ – Interview mit Dr. Carl Naughton

Dr. Carl Naughton ist Experte für Neugierde, Kreativität und Innovation. Im Interview mit Athenas erklärt er, warum Neugierde so wichtig ist und wie man sich und anderen Lust auf Neugier und Neues macht.

Dr. Carl Naughton ist sich sicher: Neugier ist gut! Nicht nur für den Kopf, sondern auch für Unternehmen. Im exklusiven Interview mit Athenas spricht er darüber, wie Neugier Kreativität schafft, welche Möglichkeiten es gibt neugierig zu bleiben und wie Unternehmen die Neugierde Ihrer Kunden beeinflussen.

 

Dr. Naughton, Sie sagen, dass Neugier Kreativität schafft. Wie hängen Kreativität und Neugierde zusammen?

Neugier ist die Triebfeder der Kreativität. Nur wer Interesse hat, fängt an, sich gute Fragen zu stellen und Antworten zu suchen. Das hängt schon seit vielen 100.000 Jahren so zusammen. Kreative Entwicklungen, wie die Beherrschung des Feuers oder die Gestaltung eines Wurfspeeres gelingen nicht, wenn Lebewesen kein Interesse daran haben. Übrigens: den Speer z.B. haben die Vormenschen so perfekt entwickelt – er unterscheidet sich kaum von den heutigen gebräuchlichen Varianten. Denn zwei Dinge machen „Neugier“ so wichtig im Kontext der „Kreativität“: neugierige sind nachweislich gewissenhafter – sie bleiben dran. Sie gehen auch mit Veränderung sehr viel entspannter um und suchen daher eher nach den Möglichkeiten – sie sind resilienter. Wir konnten in Versuchen 2015 den Zusammenhang experimentell nachweisen. Es zeigt sich: Menschen, die bei beruflichen Neugiertests höher abschneiden, sind auch kreativer.

 

Haben Sie einen Tipp, wie man sich selbst und auch anderen Lust auf Neugier und Neues macht?

Das neue Buch „Neugier – so schaffen Sie Lust auf Neues und Veränderung“ (erscheint im ECON Verlag im Frühjahr 2016) birst quasi vor Lösungen. Um diese auch schnell sichtbar in jedes Büro und Arbeitszimmer zu transportieren, haben wir den „Curiosity Creator“ entwickelt: ein Poster mit 10 Neugierinterventionen für den privaten und beruflichen Alltag. Einer meiner persönlichen Favoriten ist die „Neujahrs Deathlist – 5 Dinge, die ich niemals tun würde.“ Forschungen zeigen, wenn Menschen – und Unternehmen – sich fragen „Was würde ich niemals tun?“, eine Liste dieser Dinge erstellen und sich dann die zweite Frage stellen „Was wäre daran doch richtig?“, schlägt die Neugier voll zu. So schaffte z.B: Pepsi es, ein Kaffeegetränk zu entwickeln, das nicht das eigene Geschäftsmodell der koffeinhaltigen Limonade attackierte, sondern heute als „Frappucino“ bei Starbucks eine echte Cashcow geworden ist; so schaffte es ein Marathonläufer, nach einem Sportunfall in der Hälfte der Zeit zu genesen – er hatte auf seiner Deathlist „ich würde niemals Bodybuilding machen“, tat es doch und hatte so einen sehr viel fitteren Körper bekommen. Mit dieser Technik schöpft man neues „Kennen und Können“. Es lohnt sich.

 

Warum ist Neugier in Unternehmen so wichtig?

Kollegen von der Uni Würzburg haben nachgewiesen: die berufliche Neugier sagt sogar die Job Perfomance voraus. Es lohnt sich also, das bereits in der Anstellungsphase heraus zu finden. Ferner gilt, dass Neugierige leichter lernen, mehr erreichen, aufgrund ihrer Resilienz entspannter mit Veränderung umgehen und aufgrund ihrer Gewissenhaftigkeit erfolgreicher sind. Sie werden die Leistungsträger. Sie sind die optimalen Multiplikatoren und Moderatoren im 21. Jahrhundert.

 

Und wie kann man als Unternehmen die Neugier seiner Kunden beeinflussen?

Das ist, wenn Sie so wollen, die Kernaufgabe des Marketings. Es gelingt mal mehr mal weniger. In der Tat kann die Neugierforschung darauf schauen und die Gesetzmäßigkeiten mit in die Planung der Kampagnen einbringen. Apple hat das 2007 elegant umgesetzt. Die Einführung des iphones war nämlich alles andere als ein Marketing Großangriff. Es gab ein 5minütiges Video, in dem Steve Jobs so etwas sagte wie „Das hier ist ein Telefon, das hier ist ein Computer. Wir haben die beiden zusammen gepackt und schauen Sie sich dieses Ding an.“ Es ging noch ein bisschen länger, aber das war es. Es gab keine weiteren Interviews oder sonst was. Was passierte? Die Menschen fielen über das Internet her, auf der Suche nach irgendeiner weiteren Information. Funktioniert Neugier so? Ja. Fachlich ausgedrückt ist es die „Theorie der Informationslücke“ Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Auch in Deutschland funktioniert das. Opel war sehr erfolgreich mit „Umparken im Kopf“. Auch ein gelungenes Beispiel der „Informationslücke“. Diese Technik basiert auf wissenschaftlich belegbaren Bausteinen.

 

Was können Zuhörer von einem Ihrer Vorträge erwarten?

Lachen und Lernen. Schon in unsere Zeit in der Uni Köln war unserem Team bewusst: Lernen und Neues muss Spaß machen. Die beste Art, das zu erreichen ist eine Kombination aus Wissensvermittlung und Erleben. Die Vorträge machen die Themen und Thesen erlebbar, spürbar, nachvollziehbar. Dazu haben wir die Archive unserer Uni-Abteilungen geplündert und unbekannte, aber augenöffnende Experimente ausgegraben, die wie live umsetzen. Dazu kommt jede Menge Praxistransfer und umsetzbare Alltagstips. Der Leiter Kunden- und Vertriebsservice der ERGO, Martin Zadow, fasste es mal so zusammen: „Schnell, inhaltsgeladen, kurzweilig und überaus amüsant“. Neues und Veränderung können Spaß machen. Und das sollten sie auch!

 

Vielen Dank für das Gespräch!