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Referentin Beate Munding

„Führungskräfte stehen also aktuell vor der großen Herausforderung, einerseits Ängste aufzufangen, aber andererseits auch nicht die Zukunft zu beschönigen.“ – Interview mit Beate Munding

Die Referentin Beate Munding ist Kommunikationsberaterin und Business Coach. Lesen Sie hier ihr exklusive Interview mit Athens! In diesem spricht Sie über New Leadership und die Herausforderungen, die auf Firmen egal welchen Formats, in der Zukunft zukommen.

Frau Munding, Sie sind Beraterin, Führungskräftetrainerin und Business Coach mit Schwerpunkt Kommunikation. Was macht exzellente Kommunikation in Zeiten digitalen Umbruchs aus?

Die enorme Geschwindigkeit, mit der sich zurzeit die Arbeitswelt durch Digitalisierung verändert, stellt Firmen quer durch alle Branchen nicht nur vor unternehmerische, sondern auch kommunikative Herausforderungen. Dies geschieht auf unterschiedlichen Ebenen:

In vielen Unternehmen verändern sich Organisationsstrukturen. Hierarchien werden flacher, netzwerkartige Strukturen mit Projektarbeit lösen feste Strukturen ab. Die gesamte Organisation gerät sozusagen in ständige Bewegung. Mitarbeiter müssen über die laufenden Veränderungen informiert, motiviert und „mitgenommen“ werden. Ständige Veränderungen kosten Kraft und man verliert schnell die Orientierung. Stabilität und Motivation finden Mitarbeiter vor allem in Werten und Visionen, die von der Firmenleitung gelebt und kommuniziert werden müssen.
Denken Sie beispielsweise an Apple, Facebook oder Google. Diese Unternehmen erwarten von ihren Mitarbeitern Höchstleistungen und das in einem Bereich, der sich ständig wandelt und verändert. Diese Unternehmen zelebrieren fast schon eine Art Kult, der Mitarbeiter in seinen Bann zieht und zu Höchstleistungen antreibt.

Aber nicht jedes Unternehmen tickt wie große Internetgiganten. Gerade in Traditionsunternehmen und im deutschen Mittelstand sind Mitarbeiter durch die Veränderungen in der Arbeitswelt stark verunsichert. Da gibt es diffuse Ängste, wie z.B. der drohende Verlust des Arbeitsplatzes oder die Angst, nicht mehr schritthalten zu können. Und tatsächlich wird die Digitalisierung viele Arbeitsplätze kosten. Führungskräfte stehen also aktuell vor der großen Herausforderung, einerseits Ängste aufzufangen, aber andererseits auch nicht die Zukunft zu beschönigen.

 

Wie wirken sich die flachen Hierarchien in Start-ups auf die Mitarbeiter und das Verhalten aus?

Viele Start-up-Firmen brüsten sich nach aßen damit, dass es sehr flache bzw. so gut wie keine Hierarchien gäbe. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Natürlich gibt es Hierarchien – man erkennt sie nur nicht am Jobtitel, einem großen Büro oder dicken Firmenwagen. Stattdessen gibt es informelle Hierarchien, die Ergebnis eines mehr oder weniger offen ausgetragenen Machtkampfes sind. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass in Start-ups mehr Machtkämpfe stattfinden als in Unternehmen mit festen Hierarchien, da man informelle Macht immer wieder neu unter Beweis stellen muss. Das heißt, man muss mehr dafür  tun, um seine Machtposition zu behalten bzw. auszubauen, da es keinen festen hierarchischen Platz gibt, auf dem man sich quasi ausruhen kann.

Auf der Kommunikationsebene bedeutet dies, dass man sich in einem Start-up besser verkaufen muss. Dazu gehört, überzeugend und begeisternd zu  kommunizieren und schlagfertig zu reagieren, wenn man angegriffen wird.

 

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen? Und wie wirkt sich dies auf Machtstrukturen in Unternehmen aus?

Männer und Frauen kommunizieren tatsächlich sehr unterschiedlich. Frauen sind auf Konsens aus, während es bei Männern indirekt darum geht, die Rangfolge festzulegen bzw. die eigene Machtposition zu behaupten. Dies führt dazu, dass Frauen dazu neigen, sich kleiner zu machen und (vermeintliche) Fehler einzugestehen. Folglich trauen gerade Männer Frauen weniger zu. Leider lässt sich auch wissenschaftlich nachweisen, dass Frauen in denjenigen Unternehmensbereichen an die Führung gelangen, die in der Gesamtbetrachtung an Macht im Unternehmen verlieren. Dazu gehören Marketing oder Human Resources, während der Finanz- oder IT-Bereich in der Regel von Männern besetzt ist.

Ich habe oft im Rahmen von Coachings und Trainings erlebt, dass sich Frauen in Führungspositionen fragen: „Wann hören diese ständigen Machtkämpfe mit den Männern endlich auf? Habe ich inzwischen nicht bewiesen, dass ich gut in meinem Job bin?“ Leider hören Machtkämpfe mit Männern nicht einfach auf, denn für Männer sind Machtkämpfe Teil des Spiels. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass sich die Unternehmenskultur der ständigen Machtkämpfe erst dann ändert, wenn in einer Firma mindestens ein Drittel der Führungspositionen von Frauen besetzt ist. Denn dann müssen die Männer anfangen, sich nach den Frauen und deren Verhaltensweisen zu richten.

 

Sie bieten verschiedene Vortragsthemen rund um das Thema Arbeit und Digitalisierung. Wann ist ein Vortrag für Sie persönlich erfolgreich?

Ein Vortrag muss das Publikum informieren, unterhalten und begeistern. Es geht darum, neue Blickwinkel einzunehmen und Themen von einer neuen Seite aus zu betrachten. Und ein Vortrag darf natürlich niemals langweilig sein.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Munding!