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Christoph Koch

„Vorträge von der Stange gibt es schon genug“ – Interview mit Christoph Koch

Christoph Koch ist Netzexperte und Journalist. Im Interview mit Athenas spricht er über Informationsfluten, Big Data und über sein neuestes Buch.

Christoph Koch spricht im exklusiven Interview mit Athenas über den Einfluss des Internets, wie Unternehmen sich weiterentwickeln können und die Zukunft des Journalismus!

 

Herr Koch, Sie sind Netzexperte. Welchen Einfluss haben das Internet und die Dauererreichbarkeit auf den Menschen?

„Das Internet? Gibt es diesen Blödsinn immer noch?“, hat die Zeichentrickfigur Homer Simpson einmal in einer Folge der „Simpsons“ gefragt. Dass das Internet eines Tages wieder verschwindet, glaubt wohl inzwischen niemand mehr. Aber trotzdem wird vielerorts immer noch unterschätzt, wie radikal die Digitalisierung unsere Gesellschaft, unser Privatleben, aber auch unsere Wirtschaft auf den Kopf stellt – und noch stellen wird. Neben der Disruption vieler traditioneller Geschäftsmodelle und der Beschleunigung von Kommunikation ist Dauererreichbarkeit ist da ein wichtiges Thema für fast alle Unternehmen. Wie kann man moderne Kommunikationsmittel optimal nutzen, ohne unter „Informationsüberflutung“ und Digitalstress zu leiden? Wie muss sich die Unternehmenskultur entwickeln? Was kann der einzelne tun? Während früher Informationen etwas Rares waren, dem man hinterhergejagt ist und das man gesammelt hat, ist es heute genau andersherum: Wir müssen aus einem immer größeren Überangebot von Informationen immer schneller das herausfiltern, was für uns relevant ist. Das zu lernen und konstant weiterzuentwickeln ist die heute wichtigste Kulturtechnik – für den einzelnen Menschen wie für Unternehmen.

 

Sie sind Autor des Bestsellers „Ich bin dann mal offline“. Worum geht es darin?

Ich beschreibe darin meine Erfahrungen, wie es sich sechs Wochen ohne Internet und Mobiltelefon lebt. Ohne Google und Facebook, ohne E-Mail und News-Liveticker. Ich wollte herausfinden, wie sich mein das Leben verändert, wenn man in unserer durchdigitalisierten Welt mal für eine Weile den Stecker zieht. Dafür habe ich nicht nur meinen Selbstversuch protokolliert, sondern auch mit zahlreichen interessanten Experten gesprochen. Von den Ärzten in Deutschlands erster Ambulanz für Internet-Süchtige über die Amish People in den USA und einem Rabbiner bis zu Internet-Enthusiasten Sascha Lobo.

 

Einer Ihrer Vorträge trägt den Titel „Future Media“. Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus?

Daran scheiden sich ja derzeit die Geister! Ich denke, dass es verschiedene Modelle geben wird, die überlebensfähig sind. Einige Medien werden durch Bezahlmodelle überleben, in anderen Bereichen wird sich immer mehr offene und versteckte Werbung und sogenannter „Sponsored Content“ ausbreiten. Wieder andere werden sich in die Hand von Stiftungen oder der öffentlichen Hand begeben, Geld über Crowdfunding einsammeln oder sich anderweitig freiwillige Unterstützer suchen, die ohne Zwang für das Angebot bezahlen – weil sie einen Nutzen daraus ziehen. Die sogenannte Gratismentalität im Netz, ist meiner Meinung nach viel weniger weit verbreitet als manche glauben. Man darf nur nicht austauschbar sein, dann gibt es auch ein Erlösmodell.

 

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Big Data“ und wer profitiert davon?

„Big Data“ ist leider oft nur wenig mehr als eines dieser Buzzwords, die in Unternehmen für blinden Aktionismus sorgen: „Müller! Finden Sie mal raus, ob wir auch dieses Big Data brauchen, von dem jetzt alle reden!?“ Dabei kann es in der Tat sehr hilfreich sein, die Datenflut, die nicht zuletzt durch die Digitalisierung entstanden ist und immer größer wird, analytisch zu nutzen. Wie das sowohl Unternehmen als auch deren Kunden nutzen kann, welche Folgen sich daraus ergeben, was man dabei beachten muss und welche Fehler zu vermeiden sind – das erkläre ich in meinen Vorträgen. An konkreten Fällen und mit einleuchtenden Beispielen, branchen-spezifisch und relevant.

 

Was können Ihre Zuhörer von einem Ihrer Vorträge erwarten?

Ich achte stets darauf, meine Vorträge individuell auf das Publikum, seinen Wissensstand und seine Fragen zuzuschneiden. Vorträge von der Stange gibt es schon genug. Außerdem ist mit eine Mischung aus Informationsvermittlung und Unterhaltung wichtig. Wenn bei einem meiner Vorträge niemand lacht, gebe ich dem Veranstalter sein Geld zurück. Wenn niemand was Interessantes und Nützliches dazugelernt hat, ebenso.

 

Vielen Dank für das Gespräch!