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“Es ist immer interessant, Altbekanntes mit Neuem zu verknüpfen. Daraus entstehen oft erstaunliche Potenziale.” – Interview mit Marion Schwehr

Marion Schwehr ist Expertin für Innovation und neue Entwicklungen. Lesen Sie hier das exklusive Interview mit Athenas!

Frau Schwehr, Sie sind Expertin für Innovation und neue Entwicklungen. Wie sind sie dazu gekommen?

Ich war schon immer neugierig auf Neues und auch auf Ungewöhnliches. Deshalb habe ich mich bereits am Anfang meines beruflichen Werdegangs für Wege entschieden, deren Ziele nicht vorgezeichnet oder gar eng determiniert waren. Ich habe Literaturwissenschaft, Philosophie und Ökonomie studiert. Also ein breit angelegtes Studium. Und genau dies ist wichtig in Sachen Innovation: Bandbreite, Vielschichtigkeit, Facettenreichtum. Danach habe ich über 10 Jahre für die Münchener Rück gearbeitet. Eine Rückversicherung gilt als „Haus der 100 Berufe“, weil so viele unterschiedliche Ausbildungsrichtungen und Kompetenzen dort vertreten sind. Um Innovationsprojekte und neue Entwicklungen voranzubringen, arbeitete ich immer wieder daran, diese Vielschichtigkeit miteinander in Bezug zu bringen, zwischen den Experten zu übersetzen, Verbindungen im Denken herzustellen. Das ist genau mein Ding. Ich möchte mir für mich gar nichts anderes vorstellen.


Wie ist einer Ihrer Vorträge aufgebaut? Können Sie uns einen Einblick geben?

Mir geht es in meinen Vorträgen immer darum, eine bestimmte Geisteshaltung zu vermitteln. Neue Dinge zu sehen, zu verstehen, zu entwickeln, erfordert bestimmte Denk- und Herangehensweisen. In meinen Vorträgen abstrahiere ich komplexe Zusammenhänge zu verständlichen Thesen, mit denen man arbeiten und die man zu eigenen Gedankenexperimenten weiterentwickeln kann. Neues kommt aus dem Tun, also tatsächlich aus der Anwendung. Es geht darum, sich mit etwas auseinanderzusetzen und Dinge dann auszuprobieren. Im Denken, aber durchaus auch mal in konkreten Experimenten. Und genau dazu möchte ich anregen und Hilfestellungen geben. Meine Vorträge liefern Herangehensweisen und Ansporn zum Experimentieren im Denken und Tun.


Sie haben ein Crowdfundingmodell für Bücher entwickelt. Wie kommen Sie auf solch neue Ideen?

Die Idee und ihre Umsetzung in einem Verlag mit internet-basiertem Geschäftsmodell entstanden 2010, als es tatsächlich in Deutschland noch keine Crowdfundingplattformen gab. Ich habe mir ganz gezielt überlegt, welche Möglichkeiten das Internet für die Buchbranche bietet. Bis dato war primär von den Bedrohungen für die Branche die Rede. Dass das Subskriptionsmodell, das es bereits im 17. Jahrhundert innerhalb der Buchbranche gab, in Verbindung mit Internettechnologien ein interessanter Ansatz und ein Beispiel für positive Perspektiven sein kann, wollte und habe ich mit dem Projekt gezeigt. Es ist immer interessant, Altbekanntes mit Neuem zu verknüpfen. Daraus entstehen oft erstaunliche Potenziale.


Gibt es ein Thema, welches Ihnen besonders am Herzen liegt?

Die Freude am Fragen und Forschen! Das ist mein Herzensthema. Zum einen weil es – gerade auch in Abgrenzung zum herkömmlichen Innovationsmanagement – eine Herangehensweise vorschlägt, die nicht nur unheimlich fruchtbar ist und zu produktiven Ergebnissen führt. Zum anderen nimmt es ganz viel Leistungsdruck von uns. Die Freude am Fragen und Forschen – das ist doch einfach toll! Wenn wir uns den Unternehmensalltag anschauen, gerade auch mit dem immer weiter zunehmenden Innovationsdruck, oder auch die gängige Praxis in unseren Schulen, dann sehen wir aber genau das Gegenteil. Stellen Sie sich vor, Sie entwickeln Neues und gehen konkreten Fragen nach, nicht weil Sie müssen, sondern weil sie von ihrer Neugier und ihren eigenen Fragen geleitet werden. Wer einmal diese Erfahrung gemacht hat, wer einmal mit der Freude am Fragen und Forschen gearbeitet hat, der wird sich nur noch schwer mit einem Job begnügen können, der ihm durch äußere Anreize schmackhaft gemacht werden muss. Ich finde, wir alle sollten den Spaß (an dem, was wir tun) viel ernster nehmen!


Für welches Publikum sind Ihre Vorträge geeignet?

Ich spreche für eine unheimliche Bandbreite an Zuhörern. Ich spreche für CEOs und Führungskräfte von Großunternehmen, für Mitarbeiter von Mittelständlern, für Frauenverbände, für Kulturinstitutionen und sogar für Schulen. Das Neue macht vor niemandem Halt. Und wir alle müssen eine Herangehensweise und ein Mindset finden, sich auf Neues einzulassen, es zu verstehen und vor allem auch es zu gestalten. Alle, die sich auf diesen Weg machen wollen, möchte ich gerne dabei unterstützen.


Vielen Dank für das Gespräch!